Hin- und hergerissen sind wir diese Woche vom Angebot neuer Musik: Eine Band ohne Sängerin, dafür zwei Sängerinnen mit Kindern, ein Sänger mit Fremdsprache und eine Punkband ohne Punk. Das wollen wir uns genauer anhören: Neue Alben zum Wochenende
Text: Christian Hug
The Crayonettes: «Playing Out –Songs For Children And Robots» (Caw/Namskeio)
Die amerikanische Folk-Sängerin Kathryn Williams (die mögen wir) und die Punk-Sängerin Anna Spencer treffen sich manchmal, damit ihre beiden Buben miteinander spielen können. Nun haben sie Kinderlieder eingespielt, die weder folkig noch punkig sind, sondern heiter-naiv. Das ist reizend. Vor allem, wenn Kathryn Sätze singt wie «There’s a sparrow up the tree, singing tralla-la-la-li». Aber weil unsere eigenen Kinder die englischen Texte nicht verstehen, müssen wir Erwachsenen die Musik alleine geniessen.
1000 Robota: «Ufo» (Buback/Nation)
Das zweite Album des jungen Hamburger Trios wird uns als Punk-Sensation angepriesen. Punk? Ist der nicht längst tot? 1000 Robota klingen vielmehr so, als wären Tocotronic endlich aus ihrer Zivilisations-Betäubung aufgewacht und würden sich erinnern, dass sie ganz früher mal Bauhaus gehört haben. Aber immerhin: klingt interessant.
Kimono: «Easy Music For Difficult People» (Kimi/Namskeio)
Apropos interessantes Trio: Kimono ist eine isländisch-kanadische Dreierkiste, die eigenwilligen Gitarrenpop oder, wie man dem auch sagt, Math-Rock spielt, und das nun schon mit ihrem dritten Album. Natürlich sind wir selber üüüüüberhaupt keine komplizierten Menschen, aber wenn es um easy music geht, sind wir immer dabei... Und genau so klingt auch das Album. Gut gemacht!
Und wenn wir schon bei gutem Gitarrenpop sind: Wer das neue Album von Arcade Fire mochte, mag auch: My Jerusalem: «Gone for Good» (One Little Indian/Namskeio), Charles De Bold: «The Lonesome Southern Comfort Company»
Baschi: «Auf grosser Fahrt» (Universal)
Gang bringe-n-uise! De Baschi hed jetz Tolle und singt hochdeytsch! Är hed, sicher ai mit viu Hiuf vo seynere Plattefirma, absoluit gar neyd la aabrenne und lifered suibiri Songs wo tenid wie Juli oder Silbermond. Sehrt suiber gsunge. Miär wiischid ihm nur s’Beschd. Und noch dieses Jahr soll sein neues Mundartalbum erscheinen.
Tarja: «What Lies Beneath» (Universal)
Die klassische Morcheeba-Situation: Wenn sich eine tolle Band von ihrer tollen Sängerin trennt, wie klingen dann die beiden solo? Nightwish und Tarja Turunen ghen seit fünf Jahren eigene Wege. Nightwish ohne Tarja verlor auf ihrem Album «Dark Passion Play» viel von ihrem Charme. Und Tarja verliert, wie sich jetzt auf ihrem ersten Soloalbum zeigt, ohne ihre alte Band den Druck und das bezaubernde, rasend schnelle Tempo. «What Lies Beneath» klingt, als hätte Kate Bush den Fantasy-Metal entdeckt. Hübsch und aber auch kitschig.
Stonesour: «Audio Secrecy» (Roadrunner/Musikvertrieb)
«Come What(ever) May», das letzte Album aus dem Jahr 2006, wurde im «Rock Hard» zum Album des Jahres gekürt. Mit «Audio Secrecy» wird das Nebenprojekt von Slipknot-Sänger Corey Taylor diese Auszeichnung definitiv nicht mehr kriegen: zu flofflig, zuwenig konzentriert und zu viele belanglose Balladen. Und ja: Und fast kein richtiger Metal mehr.