Wir haben die Wahl: Wollen wir über die Schwierigkeiten diskutieren, sich im Leben zurechtzufinden – oder erstmal fröhlich tanzen? Dieses Wochenende sind beide Varianten möglich: Neue Musik zum Wochenende.
Text: Christian Hug
Gölä & Bellamy Brothers: «The Greatest Hits Sessions» (Universal)
Unser Lieblings-Redneck wird nicht SVP-Nationalrat. Dafür vielleicht berühmt in Amerikas Country-Szene: Gemeinsam mit den Bellamy-Brüdern spielt er Bellamy- und Gölä-Hits neu ein. Das geht von heiter («Schwan» auf Englisch) bis schwabbelig («Some Broken Hearts» zum Mitheulen). Ist das jetzt schon Altherren-Country? Aber hey: Wer die Bellamys und/oder Gölä mag, wird dieses Album lieben.
Wir sind Helden: «Bring mich nach Hause» (Sony)
Fertig mit der «Reklamation», die köstliche Ironie aus «Rüssel am Schwanz»-Zeiten sind vorbei: Sängerin Judith Holofornes und Schlagzeuger Pola haben mittlerweile zwei gemeinsame Kinder und sind über 30. Jetzt schlagen sie sich mit den klassischen Zurechtfindungs-Problemen der Thirty-somethings herum. Kinder, Steuern, Treue. Das machen sie zwar gut, durchaus. Aber leider gänzlich humorfrei.
The Qemists: «Spirit In The System» (Ninja Tune/Musikvertrieb)
Immer noch glücklich vom absolut grossartigen Pendulum-Konzert am Heitere, sind wir fiebrig auf der Suche nach weiteren Bands, die Jungle, Big Beat und Dancefloor so genial verschmelzen wie eben Pendulum. Mit den Qemists aus England werden wir fündig und glücklich – und weil das bereits ihr zweites Album ist, machen wir uns natürlich sofort auch auf die Suche nach deren Debüt. Und wenn ihr schon im Laden steht: Fragt auch nach The Upbeat.
Royal Republic: «We Are The Royal» (Roadrunner)
Was tun, wenn man in Malmö, Schweden, zu Hause ist? Abrocken! Und zwar schnell, geradlinig und mit Witz. Royal Republic erfinden auf ihrem Debüt die Welt nicht neu, aber ihr Rock ist sowas von scharf akzentuiert und präzise konturiert, dass selbst Rock-Held Danko Jones Mühe hat, mitzuhalten. Übrigens ebenfalls ab heute in den Läden: «Women And Children Last» von den Murderdolls, dem Mitsing-Seitenzweig der Metalgötter Slipknot.
Kim Wilde: «Come Out And Play» (Sony)
Und jetzt mit den Händen über dem Kopf klatschen und die Hüften schwingen: Kim Wilde ist wieder da! Wir erinnern uns an die Achtziger, als die Blondine uns mit «Chequered Love» und «Kids In America» die Tanzabende versüsste. Jetzt singt sie neue Lieder, und die klingen so, als hätten die Neunziger und Nuller nie stattgefunden. Bye bye, Lady Gaga.
Katie Perry: «Teenage Dream» (EMI)
«I Kissed A Girl» war ein toller Popsong, auch wenn die Predigerstochter weder im Video noch im realen Leben je mit einem Mädchen geschmust hat (sie küsst ja bald Russel Brand auf ewig). Jetzt kommt Perry mit ihrem zweiten Album, das bekanntermassen als besonders schwieriges gilt. Tatsächlich: Perry pendelt auf «Teenage Dream» zwischen Cher, Christina Aguilera und Melanie Fiona und zielt krampfhaft auf das Zielpublikum 18-Jährige, findet aber kaum eine eigene Sprache. Und am Ende hat das Album denselben Makel wie das letzte Werk von Aguilera: Netter Versuch, aber klinisch halbtot.