Während sich die Plattenfirmen auf den Musikherbst mit den Neuheiten der ganz Grossen des Musikgeschäfts vorbereiten, veröffentlichen kleine Bands ihre Alben und offenbaren die eine oder andere Perle. Dazu: Bye bye A-ha. Fünf Alben zum Wochenende.
Text: Christian Hug
Nathaniel Rateliff: «In Memory Of Loss» (Rounder/Universal)
Zuerst ein kleiner Nachtrag zu letzter Woche: So, wie zum Beispiel die «American Recordings» von Johnny Cash die Reduktion von Songs im Stil von «Ich und meine Gitarre» waren, nähert sich Rateliff der Song-Essenz von der anderen Seite und entwickelt Skizzen. Klingt sehr eigenwillig und verschroben, aber spannend. Hätte Rateliff zusätzlich etwas Humor in seine Lieder gepackt, könnte man ihn problemlos mit Devendra Banhart vergleichen.
Sky Larkin: «Kaleide» (Witchita/Universal)
Das erste Album des Trios aus Leeds hat die Erwartungen nach den vielen Vorschusslorbeeren erfüllt, nun bleibt die Band mit Album Nummer zwei auf ihrer Linie: Eigenwillige Gitarrenpop-/Indierock-Songs, die in der Melodieführung immer wieder mal Haken schlagen und in der Proportionierung der Instrumente gerne mal die Gewichte verschieben. Kommt zwar nicht an den Rang einer Offenbarung heran, ist aber durchaus anregend.
A-ha: «25» (Warner)
Diesmal soll es für immer aus sein. Sagen A-ha zu ihrem neuerlichen Best-Of-Album und bezeichnen «25» deshalb als Abschiedsgeschenk. (Also geschenkt ist es ja nicht, man muss das Album kaufen.) Auf zwei CDs sind ihre grössten und grösseren und kleineren Hits versammelt, dazu einige Remixes, die bisher nicht auf Alben erhältlich waren, plus ein ganz neuer «Abschiedssong». Wer nicht schon eine A-ha-Best-of hat: Jetzt einsteigen. Denn mindestens eine Best-of von diesen lustigen Schweden gehört in jede Pop-Sammlung.
Diana Vickers: «The Tainted Cherry Tree» (Sony)
Da schau her: Bis jetzt haben die Amerikaner den Lebensinhalt «Fun» für sich beansprucht. Nun sagt auch eine blutjunge Engländerin auf die Frage, wie sie ihr Debüt beschreiben würde, mit «Fun – and lots of electropop.» Stimmlich erinnert Fräulein Vickers oft an Dolores O’Riordan von den Cranberries, aber eben: Mit Fun-Elektropop ist englischer Tanzpoptradition nicht beizukommen. Und Hey: Bald erscheint das neue Album von Kim Wilde. Dann wird Diana Vickers wahrscheinlich alt aussehen.
Jai Uttal/Ben Leinbach: «Bhakti Bazaar» (Silenzio/Heeb)
Neue Musik von Jai Uttal kann man immer unbesehen kaufen! Denn der gebürtige New Yorker hat dieses wunderschöne Gespür dafür, spirituelle indische Musik in unsere «Sprache» zu übersetzen, ohne dass deren Gehalt verloren geht, ohne weinerlich zu wirken und Spiritualität in ihrer unaufgeregten Selbstverständlichkeit zu besingen. Das können so berührend nur wenige «Übersetzer» dieser Art. «Bhakti Bazaar» ist die Fortsetzung von «Music For Yoga And Other Joys» im Zusammenspiel mit Ben Leinbach: Falls es sich dieses Wochenende ergeben sollte, Liebe nicht nur zu leben, sondern auch zu machen: Versucht’s mal mit «Bhakti Bazaar». Kommt definitiv besser als das Geheule von Whitney Houston.