Sommerflaute? Mitnichten: Wir richten unseren Blick auf der Suche nach neuer Musik in verschiedenen Richtungen und werden angenehm überrascht. Ausser in Amerika. Eine Bersorgnis und drei Tipps zu den Neuerscheinungen dieses Wochenendes.
Text: Christian Hug
Sheryl Crow: «100 Miles From Memphis» (Universal)
Hundert Meilen vom Country-Mekka entfernt herrscht ziemlich tote Hose, und dort aufzuwachsen, ist nicht lustig. Das beweist Sheryl Crow mit einem adäquat langweiligen Album. Die Sängerin besinnt sich auf ihrem neuen Werk auf ihre eigene Kindheit: Ein bisschen Motown, ein bisschen Country, ein bisschen Pop. Aber herrje: In den 12 neuen Songs passiert nichts – ausser ein paar Überlängen. Irgendjemand hätte noch während den Aufnahmen merken müssen, dass das ein langweiliges Album wird!
Ladi 6: «Time Is Not Much» (bbe/Namskeio)
Wie eine richtig gute Platte tönen muss, demonstriert die neuseeländische Newcomerin Ladi 6 mit ihrem Debütalbum auf begeisternde Weise: super-relaxte Pop-Tracks mit diesem leicht kribbelig-funkigen Hintergrund, der uns auch zu guter Lounge-Musik mitwippen lässt. Mu von Fat Freddy’s Drop hat Ladi 6 als Produzent hörbar seine Handschrift angedeihen lassen, was wir natürlich sehr begrüssen. Und, ach ja: Ladi 6 war einst Mitglied der ersten neuseeländischen All-Girl-Rap-Band, die hiess Sheelahroc. Erscheint am Montag.
Max Richter: «Infra» (Fatcat/Namskeio)
Vor zwei Jahren verarbeitete der Klassik-Tüftler 24 Klingeltöne zu Minimal-Klassik, dann schrieb er die Musik zum Kinofilm «Waltz With Bashir», jetzt verbindet der Komponist/Pianist interstellares Fiepsen mit Klassik. Das irritiert am Anfang, stellt sich aber schnell als spannend, neu, grossartig heraus: «Claire de Lune» für Kosmonauten! Michael Nyman für Ausserirdische! Man muss dieses Album ja nicht gleich lieben. Aber man sollte es sich zwecks Horizonterweiterung dringend mal anhören. Erscheint am Montag.
Quantic presenta Flowering Inferno: «Dog With A Rope» (Tru Thoughts/Namskeio)
Quantic alias Will Holland ist ein nimmermüder Sammler von Klängen zwischen den Tropen und Amerika. Diesmal hat er für uns leicht eingedubbten Reggae und Salsa im Stil der Siebziger eingespielt und wechselt lustigerweise immer schön von Stück zu Stück den Stil. Kurz: Das perfekte Album für ein gemütliches Zusammensein mit Freunden auf der Terrasse.