Herrje: Moritz Leuenberger wird zurücktreten! Werden wir ihn vermissen? Aber ruhig Blut: Wir haben den Sound zum Abschied: Mal hart, mal schräg, mal überraschend, immer auf der Suche, wie Moritz halt. Die wichtigsten Neuerscheinungen von heute.
Text: Christian Hug
Korn: «III – Remember Who You Are» (Roadrunner/Musikvertrieb)
Natürlich freuen wir uns immer wieder, wenn die Miterfinder des Nu Metals ein neues Werk im Kasten haben. Diesmal, das sagt schon der Albumtitel, verzichten sie auf die elektronischen Spielereien der letzten Alben und kehren zurück zu ihren Wurzeln: Das ist gut. Aber irgendwie verliert das neue Album bald an Schwung: Das ewige Ich-bin-an-der-Welt-verzweifelt-Gejammer wird mit der Zeit mühselig, und oft fehlen im Aufbau der Songs die Überraschungsmomente, die bei dieser Art Heavy Metal eines der tragenden Elemente sein müssten. Zudem: viele Passagen kommen uns von alten Alben allzu bekannt vor. Immerhin: Für Korn-Fans sowieso ein Must.
Apropos Remember who you are: Vor 20 Jahren veröffentlichten die Elektropunk-Pioniere und Intellektuello-Scherzkekse Devo ihr letztes Album. Jetzt sind sie wieder da, einfach so, und bleiben mit «Something For Everybody» (Warner) weiterhin heiter bis schräg.
M.I.A.: «Maya» (XL/Musikvertrieb)
Seit man weiss, wer die Musik zum Kinoknüller «Slumdog Millionaire» geschrieben hat, ist M.I.A. auch ausserhalb der Special-Interest-Kreisen bekannt: Jetzt ist das dritte Album der politisch engagierten Kampfsängerin da: Es bleibt einerseits auf der eher ruhigeren Linie des Vorgängers «Kala», setzt aber trotzdem mehr elektronische Querklänge, wie sie es auf ihrem Debüt «Arular» getan hat. «Maya» bleibt also eigenwillig, aufmüpfig und vor allem spannend! Checkt übrigens das Video zum Song «Born Free»: Dann wird klar, was M.I.A. unter radikal versteht.
Apropos eigenwillige Frauen: Heute erscheint auch das neue Album von Martina Topley Bird, Ex-Tricky-Partnerin und Miterfinderin des Trip Hop: Es heisst «Some Place Simple» (Honest Jon/Musikvertrieb) und macht Freude.
Sampler: «India» (Rough Guide/Musikvertrieb)
Die Rough-Guide-Bücher sind exzellente Reiseführer. Und jedes Mal, wenn zu einem Buch auch eine CD erscheint, kann man sich auf qualitativ hochstehende musikalische Weltreisen verlassen: Auch auf «India» sind wieder viele überraschende Momente zu erleben, die unser Bild von traditioneller indischer Musik erweitern, auch wenn natürlich Klassiker wie Asha Bosle nicht fehlen dürfen. Ein schöner Mix, der durch seine Selbstverständlichkeit überzeugt.
Wie seit einiger Zeit üblich, ist dem Sampler eine Bonus-CD beigelegt mit einem vollen Album eines der auf dem Sampler vertretenen Künstler. Zu «India» ist es «Live in Calcutta» von DebashishBhattacharya.
Apropos Rough Guide: Zeitgleich erscheint der Rough-Guide-Sampler «Russian Gypsies», der aufzeigt, aus welchen Wurzeln Balkan Beat entwuchs. Auch hier mit einer Bonus-CD.