Dieses Wochenende wollen wir grillen auf dem Balkon. Was man jetzt neu in den Player schieben kann, wenn das Feuer brutzelt, darüber gibt diese kleine Auswahl von Neuerscheinungen Auskunft.
Text: Christian Hug
Sarah McLachlan: «Laws Of Illusion» (Sony)
Seit ihrem Debüt «Touch» vor 22 Jahren hat sich bei der karitativ engagierten Kanadierin eigentlich nichts verändert: Sie oszilliert auch auf ihrem neuen Album zwischen hingebungsvoller Enya-Romantik und plätscherndem Clannad-Kitsch. Das ist schwierig. Und manchmal, naja: fast nicht zu ertragen. Trotzdem wollen wir immer wieder dabei sein, wenn Sarah ein neues Album veröffentlicht. Ihr letztes reguläres ist ja auch schon wieder sechs Jahre her.
Chemical Brothers: «Further» (EMI)
Einst zelebrierten die Chemiebrüder grollende Big-Beat-Gewitter. Dann folgten einige nicht ganz eindeutige Electric-Alben. Jetzt haben sie sich entschieden für digitalen Psychedelic. Also allerlei Sphärisches mit Geräuschen und Stimmen in Stücken, die 5 Minuten lang anfangen und dann plötzlich aufhören. Das ist nicht gerade einfach. Zumal Underworld das dynamischer beherrschen und Air gewiefter mäandern. Aber immerhin: Wir haben jetzt Klarheit. Und «Horse Power» wummert prächtig.
Rox: «Memoirs» (Rough Trade/Musikvertrieb)
Roxanne Tataei ist, 24 Jahre alt, halb Jamaikanerin, halb Iranerin und spielte früher in einer Jazzcombo. Das alles spielt aber auf ihrem Debüt keine Rolle. Sie singt zwar (tolle Stimme) über ihr einzigartiges Leben, in der Musik aber orientiert sie sich nach internationalem Pop. Oder anders gesagt: Wer «Memoirs» mag, mag auch Asha, Macy Gray, Kate Nash und Amy Macdonald. Das ist in Ordnung so.
Semantik: «Molotow» (Nation)
«Wenn du Hip Hop nicht magst, wirst du das Album auch nicht verstehen», sagt der Zürcher Semantik zu «Molotow», aber das stimmt nicht. Denn dieses Album ist sehr wohl so fett und dope und pur, wie wir das mögen. Aber darüber hinaus bringt Semantik sich und seine Züritütsch-Lyrik darin so fliessend und ohne Posing ein, dass auch Nicht-Rap-Freunde dringend mal reinhören sollten.
Napoleon Washington: «Mud Grace» (Dixiefrog/Disques Office)
Dieses Album ist zwar schon letzte Woche erschienen, muss aber heute nachempfohlen werden: Der Mann mit dem lustigen Namen kommt aus Lausanne (!) und spielt den Blues, ohne sich an das Blues-Schema zu halten. Irgendwo zwischen Tom Waits und Hank Shizzoe zelebriert Washington traurig-schöne Eigenwilligkeit, die sich am besten in den frühen Morgenstunden entfaltet.