Zeitgeist mit Nicola Capobianco alias Liquid Soul und Sleek

Mittwoch 19.05.2010
Redaktion René Ammann

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Liquid Soul am DJ-Pult: Der Zürcher Nicola Capobianco komponiert - und legt auf vier Kontinenten auf.

Progressive Trance in Brasilien: Liquid Soul und 50.000 Partygäste in Sao Paolo, April 2009.

Doppel-CD “Cocktails”: Weltmusik von Tokio bis Porto Allegre.

Nicola Capobianco alias Liquid Soul und Sleek, 30, hatte seinen Durchbruch mit dem Album «Synthetic Vibes». Als DJ legt der Bülacher Progressive Trance auf. Neue CD: «Cocktails» (Iboga Records). liquidsoul.ch

Schweizer Illustrierte Style: Wie viel Zeit benötigen Sie, um ein Stück zu komponieren?
Nicola Capobianco: Wenn ich im Bett liege, spielt die Melodie im Kopf, ich habe den Song auch visuell vor mir. Am
Tag darauf, im Studio, ist es, als müsste ich nur die Play-Taste drücken, und alles ist da. Läuft es super, ist der Song in zwei Tagen fertig, und nach zwei, drei Wochen Korrekturen fliesst er so, wie ich mir das vorstelle. Und dann bin ich supernervös, bis ich weiss, wie mein Freund DJ Martin reagiert, er ist ja ebenfalls Produzent.
Wie lange legen Sie als DJ im Klub auf?
Live eine Stunde, im Set zwei Stunden. An den grössten Partys, in Brasilien, tanzen bis zu 50 000 Leute zu meiner Musik.
Wie feierten Sie Ihren 20. Geburtstag?
Intensiv. Wir gaben Vollgas. Früher ging ich gern in den Klub, heute muss ich hin.
Wann ist Ihnen langweilig?
Am Flughafen. In manchen Wochen lege ich in vier Kontinenten auf, von Japan bis Tansania. Da summiert sich das Warten.
Wie hoch war Ihr erster Stundenlohn?
Das weiss ich nicht mehr, ich trug jedenfalls mit dem Töffli den «Wospi» aus, die Wochenzeitung fürs Zürcher Unterland.
Welcher Gegenstand ist am längsten in Ihrem Besitz?
Mein Bett. Und meine zwei Technics-Plattenspieler, gekauft vom Lehrlingslohn als Stromer. Da war ich 15. Mit 16 produzierte ich Techno und Trance, obwohl ich noch nie in einem Klub war. 2003 kündigte ich meinen Job als Elektromonteur, ich fühlte, das ist nicht mein Leben.
Würden Sie heute etwas anderes tun?
Ich hätte gern Klavier spielen gelernt.
Was würden Sie noch lernen wollen?
Der Weg ist das Ziel, dann kommt alles, wie es kommen muss.
Welchen Moment würden Sie gern erneut erleben?
Meine erste grosse Liebe.
Welchen lieber nicht?
Meinen Autounfall und die zweijährige Therapie. Ich habe dadurch zwar viel gelernt. Man erwacht. Und lebt im Jetzt.
Wie lange dauerte Ihr längster Filmriss?
Zwei, drei Monate … im Sommer 2009. Zu viele Gigs, zu viele Flüge, zu wenig Schlaf. Es lief nichts mehr, ich konnte auch meine Musik nicht mehr hören.
Was schieben Sie auf die lange Bank?
Alle Büroarbeiten.
Wo verbrachten Sie Ihre letzten Ferien?
Zwei Wochen allein in Thailand, nach meinem kleinen Burn-out. Ich konnte mich da sehr gut erholen und fand den Weg zurück zu meiner Musik.
Mit wem würden Sie gern einen Tag verbringen?
Mit Peter Gabriel, er hat ein mega Studio.
Und eine Nacht?
Mit meiner Freundin und Angelina Jolie.
Wie alt möchten Sie werden?
So alt, bis es Zeit ist zu gehen. Ich habe keine Angst vor dem Tod.
Interview René Ammann
Liquid Soul ist im Sommer 2010 in der Schweiz, in Brasilien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Indien, Israel, Japan, Österreich, Russland, Tansania und Ungarn zu hören. Vollständige Liste: www.liquidsoul.ch

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