Badischer Wein macht offensichtlich fröhlich: Katja Bohnert, 19, lässt sich zur Winzerin ausbilden und vertritt ihre Heimat Baden (D) als Weinkönigin. www.twitter.com/weinkoenigin
SI Style: Katja Bohnert, ein ganzes Jahr lang trinken Sie Wein, lächeln und winken. Es gibt schlimmere Jobs als den einer Weinkönigin, richtig?
Katja Bohnert: Es kommt immer darauf an, wie man meinen Job sieht. Dieses Amt macht mir sehr viel Spass, vor allem, weil es mehr ist als trinken, lächeln und winken - es geht um Leidenschaft, Engagement, Kultur und natürlich Freude am Genuss. So halte ich Weinproben und Weinseminare, bin auf Messen deutschlandweit unterwegs, aber auch Kroatien habe ich schon besucht und Japan. Im Mai bin ich auf einer Rundreise in der Nordschweiz dabei.
Warum sollte ein Schweizer Badischen Wein trinken?
Weil das Gute bekanntlich so nah liegt.
Welchen Wein haben Sie denn gestern getrunken?
Eine trockene Spätburgunder Spätlese vom Kaiserstuhl. Gerade jetzt wenn es draussen kalt ist, trinke ich gerne kräftige Rotweine. Dazu gab es dann ganz herzhaft ein Rumpsteak.
Sie baden offenbar auch in Wein?
Oh ja, das war tatsächlich ein unfreiwilliges Weinbad. Beim Fass-Anstich war plötzlich der Hahn herausgesprungen, weil er nicht richtig fixiert war – und sofort waren alle Umstehenden regelrecht in Riesling gebadet. Ein prickelndes Erlebnis - glücklicherweise war es ja Weisswein.
Laut ihren Twitter-Einträgen wird in Baden fröhlich Sekt und Wein Likör kredenzt. Wie viele Kilos haben Sie schon zugenommen?
Baden ist definitiv ein Geniesserland! Zu etwa einem Drittel meiner Termine trage ich traditionell ein Dirndl. Die tollen modischen Kleider müssen richtig eng sitzen. Noch passe ich in alle rein. Als angehende Winzerin bewege ich mich zudem viel draussen im oft steilen Weinberg.
Wird Ihnen das Repräsentieren nicht manchmal zu viel? Schmerzende Füsse und Kopfweh von zuviel Alkohol?
Eine Königin kennt keinen Schmerz! Aber im Ernst: nach einem langen Tag in Pumps tun auch mir die Füsse weh. Kopfweh oder einen Kater hatte ich noch nie, da ich Alkohol nur in Massen trinke. Natürlich bin ich manchmal auch müde - vor allem wenn ich bis zu drei Termine an einem Tag erledige. Aber wenn ich dann die leuchtenden Kinderaugen oder die freudig wartenden Gäste einer Weinprobe treffe, ist das alles wieder vergessen.
In der Werbung sieht man eine Art Tattoo auf Ihrer Schläfe. Was ist denn dort abgebildet?
Es ist ein Face-Painting und zeigt eine abstrakte Weinranke mit winzigen Blättern. Ein Make- up-Artist aus Österreich hat es mir mit einem Pinsel aufgemalt. Als ich irgendwann meinen Kopf nicht mehr still halten konnte, da wir für dieses Kunstwerk fast drei Stunden brauchten, habe ich mich einfach auf ein Bügelbrett gelegt.
Fliesst Wein in Ihrem Blut?
Ja und zwar Spätburgunder. Mein Heimatort ist bekannt für diesen samtigen, charakterstarken Rotwein. Da ich aus einer Winzerfamilie stamme, habe ich den wahrscheinlich schon mit der Muttermilch bekommen, sonst hätte ich mich wohl nicht komplett dem Wein verschrieben.
Gibt es einen Weinkönig oder einen Weinprinz?
Nein, den gibt es nicht, aber den ein oder anderen „Bacchus“. Ältere, oft etwas korpulentere Herren (manche helfen mit einem Kissen unter ihrem Umhang nach) mit grosser roter Nase, die auf Festumzügen mir grossen Weinkelchen mitfahren dürfen. Im Gegensatz zur Weinkönigin ist dies ein Amt auf Lebzeit.
Letzte Frage: Besteht Ihr Krönchen aus Reben?
Ja und Nein. Es wurden Perlen und Brillianten in Weissgold zu einer Weintraube verarbeitet. Ich bin sehr stolz dieses Kunstwerk tragen zu dürfen – muss es aber leider am Ende meines Amtsjahres an meine Nachfolgerin abgeben.
Interview: René Ammann
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