Gute, alte Freunde: Julianne Moore und Colin Firth.
Genug vom trüben Wetter? Von verschnupften, griessgrämigen Leuten? Oder - noch schlimmer - von Fasnacht?? Dann fliehen Sie heute abend (Montag = Kinotag) am besten dahin, wo Warme und Farben strahlen, wo Schönheit zelebriert wird, die ganz grossen Gefühle und kleinen Freuden im Leben im Mittelpunkt stehen: Tom Fords sehnsüchtig erwarteter Film A SINGLE MAN ist ein 99-minütiges Schaumbad für die Seele - mit einem kalten Guss zum Schluss.
Dass der ehemalige Star-Designer einen ästhetischen Leckerbissen servieren wird, durften wir erwarten. Und schöne Menschen in eleganten Kleidern und fantastischen Häusern bekommen wir auch, und darüber hinaus auch eine Geschichte voller Gefühl, Tiefgang und einer Prise Humor. A SINGLE MAN ist die wahrhaft hinreissendste Liebesgeschichte dieser Saison. Unter Fords erster Regiearbeit zeigt sich Colin Firth in der Form seines Lebens, der Oscar ist in Reichweite. Und Julianne Moore spielt auf dem Grat zwischen Happiness, Hippie-Chic, Heiterkeit und Hysterie schlicht zum Niederknien.
Eine heitere flüchtige Begegnung im Californian Sunset: Der lebensmüde Professor (Colin Firth) trifft auf dem Parkplatz unter Hitchcocks "Psycho"-Filmplakat den jungen Latino Carlos (Jon Kortajarena).
Tom Ford beweist mit seinem ersten Film einmal mehr seine Vielseitigkeit und seine Meisterschaft. Was immer der 48-Jährige anpackt scheint ihm zu gelingen: erst machte er aus dem verstaubten Namen Gucci ein Kult-Label, dann ehrte und erneuerte er das Erbe von Yves Saint Laurent, reüssierte als Parfumeur und feierte Erfolge mit der eigenen Männerlinie - und jetzt erntet er Lorbeeren als Regisseur.
© Foto Marlène von Arx.
"Mode war für mich immer ein Geschäft. Ich habe mich als Designer, nie als Künstler betrachtet", erklärte Ford im Interview mit SI Style (Doppelnummer 1+2/2010) unserer Frau in Hollywood, Marlène von Arx. "Mode ist nicht von Dauer, Film aber ist für immer." Immer und Ewigkeit - ein grosser Anspruch. A SINGLE MAN wird sicher lange in den Köpfen und Herzen der Kinogänger nachwirken.