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Freitag 27.01.2012
Heidi Klum und Seal sind kein Paar mehr. Seals nächster Song wird wohl «Kiss From A Rosendorn» heissen. Und Göläs nächster Hit heisst «I ha di nümm gärn», weil er und Sibylle Marti, die sind ja jetzt auch getrennte Leute. Gölä und Seal können ab sofort die Frau Aniston anrufen, die soll ja worldsexyest, most intelligent und totally einsam sein. Wir besuchen derweil die «Bon Voyage»-Tournee von Anna Rossinelli (Daten auf www.annarossinellimusic.com/events) und geniessen: Neue Musik zum Wochenende. Text: Christian Hug Leonard Cohen: «Old Ideas» (Sony) Wenn der grosse alte Mann ein neues Studio-Album veröffentlicht (nur 12 in 44 Jahren), zwingt uns Ehrfurcht in die Knie. Zu recht natürlich, auch wenn auf «Old Ideas» wie immer die Musik so gut wie keine Rolle spielt, weil sie nur der Klangteppich für Cohens tiefsinnig reflektierte Texte ist. Diesmal singt beziehungsweise brummelt der Meister vom Leben und dass dieses wohl bald zu Ende geht. «Old Ideas» führt uns nebenbei vor Augen, wie sehr wir im allgemeinen Pop-Trubel vergessen haben, auf die Texte zu achten. Oder weiss jemand, wovon Lady Gagas «Alejandro» handelt?
Lana del Rey: «Born To Die» (Universal) Ähnlichen Fragen wie Cohen geht die Frau nach, deren Debüt als the newest the hypest the freshest gehandelt wird, nur mit viel mehr Gelassenheit, Ironie, grosser Selbstinszenierung und noch grösseren Gesten www.lanadelrey.com . In der Tat ein grossartiges Album, eines, das Pop- und Gothic-Freunde genauso vereint wie Emo- und Singer/Songwriter-Anhänger. Lana bestätigt das Vorschlusslob, die sie mit 10 Millionen Klicks auf ihren Youtube-Clip «Video Games» erhalten hat, mühelos: schön, melancholisch, hinreissend und mit eindringlicher Stimme. Und ja: Da muss mindestens ein halber Liter Silikon in dieser Oberlippe sein... Jetzt ist übrigens der richtige Moment, auf das Album «Mirador» von Tarnation aus dem Jahre 1997 hinzuweisen.
Sean Paul: «Tomahawk Technique» (Warner) Sean Paul war einst die internationale Speerspitze des Dancehall-Reggaes/Raggamuffin, sein 2005er-Album «The Trinity» war auf der Höhe der Kunst, sexy, slick und funky. Aber das hier? Herrje! Sean Paul biedert sich den Dancefloor-Trends an, wie ihn Black Eyed Peas und Lady Gaga zelebrieren: stumpf und konturlos vor sich hin treibende Tracks ohne Sinn und Verstand (wenn schon, dann müsste man das zur Kunst extrapolieren, wie das zum Beispiel Justice beherrschen oder LMFAO). Bis zum Song Nummer sieben müssen wir warten, bis Sean Paul seine alte Stärke aufblitzen lässt. Aber dann geht’s gleich wieder weiter mit lauwarmer Luft. Und überhaupt: Was soll diese peinliche neue Frisur?
Die Aeronauten: «Too Big To Fail» (Aeronauten) Wir gratulieren herzlich: Die Aeronauten feiern ihr 20-Jahre-Jubiläum! Und schenken sich selber und der Welt keine Best-of (die hatten wir ja schon 2005), sondern ein neues Album, dafür ein doppeltes: 12 korrekte Aeronauten-Rumpelsongs auf der einen und 14 zauberhaft verspielte Instrumentals auf der anderen CD, zusammengefasst unter dem programmatischen, weil ironischen Titel «Too Big To Fail». Dass es diese Band nun schon so lange gibt, ist vor allem dem Aeronauten-Mastermind Olifr Guz Maurmann zu verdanken: Ein Maniac, der unbeirrt und in schon fast manischer Regelmässigkeit Songs schreibt, die die ganze Sache mit dem Leben und dem Weltschmerz nicht so ernst nehmen, dafür umso charmanter scheppern, rumpeln und kacheln. Für Aeronauten-Kenner ist dieses Werk also diskussionslos ein Muss. Für alle, die das knarrige Sextett noch nicht kennen: Reinhören! Zum Jubiläum ist die Band wieder mal auf grosser Tournee, Daten unter www.aeronauten.ch/html/konzerte.php
Professor Green: «At Your Inconvenience» (EMI) Fans haben das zweite Album des englischen Hip-Hop-Newcomers schon längst aus England importiert, wo «At Your Inconvenience» bereits Ende Oktober erschienen ist. Jetzt ist das Album offiziell auch bei uns erhältlich, und das zu unserer Freude: War das Debüt «Alive Till I’m Dead» noch weitestgehend amtlicher Rap, nähert sich der Professor nun offensiv dem Dubstep und dem Pop und öffnet sich so neue Räume, innerhalb derer er munter rumpröbelt und insbesondere bei den poppigen Tunes Gastsängerinnen zuzieht. Man kann dem Ganzen getrost auch Grime sagen, auch wenn die zweite Hälfte des Albums aus verhältnismässig ruhigen Tracks besteht. Durch die neue Bandbreite der Stile läuft Professor Green zwar Gefahr, den roten Faden zu verlieren, aber angesichts der meist starken Tracks wollen wir über diesen Makel hinwegsehen. Auch weil schon lange niemand mehr so augenzwinkernd nonchalant «Don’t Piss Me Off» gesagt hat.
Und noch ganz kurz: Penelope Houston: «On Market Street» (Irascible) Folksängerin für Oldschool-Freunde. Christina Perri: «Lovestrong» (Warner)The new Pop-Stern? Gym Class Heroes: «The Papaercut Chronicles II» (Warner) Ami-Alternative mit Selbstironie.
Dienstag 24.01.2012
Gealtert und vergräzt: Leonardo DiCaprio als FBI-Boss J. Edgar Hoover. c Filmstills 2012 Warner Bros. Ent.
Nein, das ist kein Irrtum unsererseits, das IST Leonardo DiCaprio, der vor 15 Jahren mit der untergehenden "Titanic" in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchte. Da überstrahlte sein unverschämt gutes Aussehen sein überragendes Talent. Dieses blieb dem Kennerblick jedoch nicht lange verborgen, und bald tauschte Regie-Haudegen Martin Scorsese seinen langjährigen Stamm-Schauspieler Robert De Niro mit DiCaprio aus und liess Leo schwierige, komplexe Charaktere spielen, etwa in "Gangs of New York", "Departed", "Aviator" oder "Shutter Island".
In seinem aktuellen Film J. EDGAR nun agiert DiCaprio unter einem weiteren Altmeister, von Clint Eastwood, unserer leider nicht massgeblichen Meinung nach auf Oscar-Niveau - wo hat die Academy bloss hingeschaut, dass ihr DiCaprios grandiose Leistung entgangen ist?!? Er nicht für den Oscar nominiert wurde?!? Er spielt den kleingewachsenen Machtmenschen, vom jungen Heisssporn bis zum verbittert-welken Greis, mit Furor. Klar haben die Maskenbildner dick auftragen müssen, um Pretty Leo zum Giftzwerg zu machen, doch scheint unter dem Make up jederzeit DiCaprios meisterliche Mimik durch.
Eitler Ehrgeizling: Der junge J. Edgar Hoover feilt an seinem Erscheinungsbild.
Vielleicht liegt seine Nicht-Nomination auch am Sujet: J. Edgar Hoover ist ein bad guy, in der kollektiven Erinnerung in den USA ein rotes Tuch, eine Figur, die polarisiert. Ein Ekelpaket, zerfressen von Ehrgeiz und Geltungssucht, jedenfalls zeigen ihn der Schauspieler und sein Regisseur so. Und als Muttersöhnchen, der lange am Rockzipfel seiner starken Mama (brilliant wie immer: Judi Dench) hing.
Lehrt ihrem Sohn den Walzertakt: Mutter Hoover (Dame Judi Dench).
So sehr Hoover sein Image pflegte, so gern er in der Intimsphäre von allen und jedem rumschnüffelte, so rigide hielt er sein Privatleben unter Verschluss. Für viele sicher ein Schock im Film zu erfahren, dass der FBI-Gründer und langjähriger Boss (er überlebte acht Präsidenten!) verkappt schwul war. Sein engster Mitarbeiter und FBI-Stellvertreter Clyde Tolson (Armie Hammer) war auch privat sein Weggefährte.
Seinem Chef und Partner treu ergeben: Clyde Tolson (Armie Hammer).
Frauen spielten in Hoovers Leben dennoch eine wichtige Rolle: Neben seiner dominaten Mutter vertraute der FBI-Gründer und Kommunisten-Hetzer Hoover nur Helen Gandy (Naomi Watts). Nachdem die Schreibkraft Hoover überstürzten Heiratsantrag abgelehnt hat, bleibt sie zeitlebens seine Sekretärin.
Loyal bis zum Schluss: Hoovers Sekretärin Helen Gandi (Naomi Watts).
Hinter der Kamera: Leonardo DiCaprio diskutiert mit Regisseur Clint Eastwood das Drehbuch von Dustin Lance Black ("Milk").
Wer den Film noch nicht gesehen hat - oder ihn nochmals sehen will, hat Chancen auf Gratistickets: Warner Bros und SI Style verlosen 3 x 2 Ticktets für das Meisterwerk von Biopic. Füllen Sie den Talon aus bis zum 6. Februar - und mit etwas Glück erleben Sie eine Lektion in moderner Geschichte, die packender nicht sein kann. Lassen Sie sich von einem postmodernen Mephisto fesseln, der für Ruhm und Grösse alles opferte.
Dienstag 24.01.2012
Lieferten den Soundtrack zu Woody Allens Filmen "Vicky Cristian Barcelona" und "You will meet a tall dark stranger": Giulia y los Tellarini
Die vielköpfige Band aus Barcelona sorgten letzten Mai an den Filmfestspielen in Cannes für Aufsehen bzw. Aufhorchen. Die bunte katalanische Combo ist seit der Zusammenarbeit mit Woody Allen weit über Musikerkreise hinaus bekannt geworden. Am kommenden Samstag, den 28. 1. wagen sich Giulia y los Tellarini aus mediterranen Gefilden ins Winterland Schweiz und spielen im Kollegium St. Fidelis in Stans, Vorverkauf www.starticket.ch
Bevor die Spanier loslegen gehts schon musikalisch zu: Es wird ab 19.30 Uhr das Programm der nächsten Stanser Musiktage verkündet, die vom 15. bis 21. April die grosse weite (Klang-)Welt ins Winkelried-Dorf bringen. Für einzelne Konzerte hat der Vorverkauf bereits begonnen, Infos und Tickets auf www.stansermusiktage.ch
Mittwoch 18.01.2012
320'000 Jahre alte Malereien in der Chavet-Höhle in Südfrankreich.© Filmstills Ascot Elite Der deutsche Filmemacher Werner Herzog („Fitzgerraldo“, „Nosferatu“ „Aguirre – der Zorn Gottes“) entführt uns mit seinem neuesten Werk an einen Ort, den nur eine Handvoll Menschen gesehen haben: die Chauvet-Höhlen im Flussstal der Ardèche in Südfrankreich. DIE HÖHLE DER VERGESSENEN TRÄUME, so der poetische Titel des Dok-Films über ein Höhlensystem, welches durch einen Felssturz 22'000 Jahre verschlossen war. Eine Gruppe von Forschern entdeckte die Höhlen 1994 und fand im Innern über 400 perfekt erhaltene Malereien, die sagenhafte 32'000 Jahre alt sind. Diese teils monumentalen Tierbilder revidieren unsere Klischéevorstellungen von Neandertalern aufs Feinste: Unsere jagenden Vorfahren waren nicht die primitiven, keulenschwingenden Totschläger, als die wir sie imaginieren, sondern scharfe Beobachter ihrer Umwelt, Künstler, deren Werke eine ungeheure Faszination ausstrahlen, spirituelle Menschen, die möglicherweise Rituale in der Höhle abhielten und sich berauschten.
Schwierige Dreharbeiten auf dem Laufsteg. Herzog war es erlaubt, in der Höhle zu filmen. Und Herzog wäre nicht Herzog, wenn er sich diese Aufgabe leicht gemacht hätte. Er wollte seine Eindrücke aus dieser Kathedrale der Steinzeit möglichst echt auf die Leinwand bringen und liess eigens ein neues 3-D-Kamerasystem entwickeln, das ihm erlaubte, auch auf engstem Raum zu filmen. In der Höhle darf man lediglich auf einem schmalen, metallenes Laufgitter gehen und stehen. Wer nicht unter Platzangst leidet, wird mit einem wahrlich exklusiven Trip zu einem Naturwunder und den Anfängen menschlichen Kunstschaffens belohnt. Ein 3-D-Erlebnis der unvergesslichen Art. Hingehen und staunen!
Mittwoch 18.01.2012
Reisen hinter den Horizont, Parthas Verlag, Berlin.
Einst war die Welt gross und weit, das Reisen gefährlich, die Landkarten voller weisse Flecken, terra incognita. Die weissen Flecken sind heute mit Wissen ausgefüllt, kaum ein Eckchen der Erde, das wir Menschen nicht schon betreten, erforscht, vermessen und „erobert“ haben. Wir reisen eben mal schnell pauschal an den Nordpol, in die Urwälder von Papua-Neuguinea, auf Himalaya-Gipfel, zu den Maya-Ruinen oder nach Ulan Bator.
Doppelseite zu Heinrich Barth.
Der prächtige Bildband „Reisen hinter den Horizont. Die grossen Entdecker“ aus dem Berliner Pathas Verlag dreht die Zeit zurück in die Ära, als neugierige Frauen und beherzte Männer aufbrachen ins Unbekannte und wissen wollten, wie es hinter dem Horizont weitergeht.
Zeitgenössische Illustrationen ergänzen den Text.
In sieben Kapiteln reist man da in den Fusstapfen von 40 Abenteurern durch Wüsten und Wildnis, über Berge und Ozeane, durch die Lüfte und in die Tiefen der Abysale und des Alls. Wir segeln mit Columbus und Magellan über die Meere, treffen Stanley und Livingston im afrikanischen Urwald, trekken mit Mungo Parks (der aus T. C. Boyles „Wassermusik“) dem Niger entlang, frieren mit Nansen und Amundsen im ewigen Eis, queren mit Barth die Sahara, tauchen mit Cousteau ins Big Blue und heben ab mit Gagarin ins All. Die Texte sind so, wie man sich spannende, erhellende Reisereportagen heute wünscht, sorgsam ausgewählte Karten, Illustrationen, Fotos von anno dazumal sowie ein Register machen den Band zu weit mehr als einem Coffee table book.
Dienstag 10.01.2012
Kinofans leben nicht von Popcorn allein - "Geschmack im Film", Wolfram Knorr, Echtzeit, Fr. 32.-. Kochbücher voller inszenierter Gerichte drin, die wir Küchennovizen so schön niemals hinkriegen, landen gern auf dem coffee table. Da sehen sie dann eine Weile gut aus, zeugen vom Experimentierwillen der Bewohner und werden bald im Regal endgelagert. Gekocht wird selten damit - wäre ja zu schade, wenn das edle Teil Sugospritzer oder Bratenfett abbekäme. Die Leute vom Echtzeit-Verlag servieren uns etwas andere Kochbücher: Klein, handlich, ohne Bilder der Gerichte, dafür mit Illustrationen von Essern und Kochern (Benjamnin Güdel), und mit Rezepten, die aufs Minimum reduziert sind. Doch sind die Echtzeit-Kochbücher im wahrsten Sinn langanhaltend sättigend, sie bieten nämlich Lesefutter. Nach "Geschmack der Liebe" von Jost Auf der Maur und "Reise zum Geschmack" von Christian Seiler ist "Geschmack im Film" jetzt druckfrisch in den Buchläden. Kinokenner Wolfram Knorr hat zwölf (plus einen) Leinwand-Klassiker ausgewählt, in denen mit Leidenschaft gekocht und Lust oder Frust gegessen wird, von "Chocolat", "Ratatouille", "Eat Drink Man Woman" über "Babettes Fest" bis "Don Camillos Rückkehr". Knorrs klugen und sinnlichen Ausführungen übers Essen im Film ("Film ist eine Totalbeschuss auf alle Sinne, eine Attacke aufs Empfindungsvermögen") zu folgen ist nicht allein für Filmverrückte ein Vergnügen, die Rezepte von Leandra Graf bestehen in ihrer Schlichtheit. Und plötzlich bekommt man Lust auf Parmesan-Spaghetti, Wachteln mit Rosenblätter, Lammkeule oder sogar ein englisches Frühstück mit Würstchen und Baked Beans. Besonders gut munden die Gerichte, wenn man sich zur Vorspeise Knorrs Essays einverleibt und zum Dessert den entsprechenden Film im Heimkino reinzieht.
Donnerstag 15.12.2011
So hübsch! Das Model-Duo Anja Rubik und Sasha Knezevic an ihrer Hochzeit am 16. Juli 2011 in Deia auf Mallorca. Foto: Next Models.
600 Seiten Infos mit allem, was Braut & Bräutigam wissen sollten: "Das Hochzeitsbuch", erscheint bei Collection Rolf Heine.
Ja wir wollen das Hochzeits-Spezial der aktuellen SI Style (jetzt am Kiosk). Neben tollen Tipps (siehe den heutigen Beitrag "Making of: Modestrecke Bridal" von Sabina Hanselmann-Diethelm) erfahren Romantikerinnen welche Promis sich – wo, wie, wann, mit wem – im vergangenen Jahr trauten. Viel Vergnügen beim Heiraten mit Style!
Freitag 09.12.2011
Stubenhocker haben dieser Tage gute Karten beziehungsweise Silberlinge: Es gibt nicht nur viel zu hören, sondern fast mehr noch zu schauen und zu bestaunen. Zum Beispiel das Artwork unserer Lieblings-Best-of der Vorweihnachtszeit, Rammstein: «Made In Germany 1995-2011» (Universal), die Deluxe-Version mit der Bonus-Remix-CD. Darüber hinaus: Neue Musik zum Wochenende. Text: Christian Hug  Anna Rossinelli: «Bon Voyage» (Universal) Oh, ja, Anna ist unser neues Schätzchen, und man sollte sie in jedem Radio spielen, täglich. Jetzt endlich, nach der ganzen Eurovision-Contest-Geschichte vom letzten Jahr, dem Berufslehre-Abschluss und einem halben Jahr Gesangs-Weiterbildung in den Staaten, präsentiert sie beziehungsweise die nach ihr benannte Band ihr Debüt, und das ist ziemlich das, was wir von ihr erhofft und erwartet hatten: Pop-Songs mit der neckischen Fröhlichkeit einer Chansonnière und dem entsprechendem Touch südfranzösischer Eleganz. Nicht für die Ewigkeit gedacht, aber nett und unterhaltsam.
Charlotte Gainsbourg: «Stage Whisper» (Warner) Apropos Schätzchen. Alle lieben Charlotte, und Charlotte liebt uns, weil sie uns mit «Stage Whisper» ein schönes Weihnachtsgeschenkt präsentiert: Eine Box mit einer Studio-CD (acht unveröffentlichte, vergleichsweise griffig-knackige Songs aus den Zusammenarbeiten vor allem mit Beck), einer Live-CD (elf Lieder vor allem mit Songs aus ihren letzten beiden Alben, vorgetragen in bester Post-Post-Punk-Manier), eine Live-DVD (die elf Songs von der Live-CD plus fünf weitere) sowie ein schön gestaltetes Booklet und ein Doppel-Miniposter. Das werden wir ein paar Freunden unter den Weihnachtsbaum legen.
Nightwish: «Imaginaerum» (Warner) Ein Nachtrag von letzter Woche: Vier Jahre lang haben unsere Lieblings-Klassik-Metaller an diesem Werk gearbeitet, das in erster Linie ein Film ist beziehungsweise eine Reihe von Einzel-Videoclips, aus dem sich schliesslich eine zusammenhängende Geschichte ergeben hat – und das dazugehörende Album. «Imaginaerum» wird die Fangemeinschaft ebenso spalten wie damals der Wechsel der Sängerinnen von Tarja Turunen zu Anette Olzon: Vorbei sind die Zeiten von «Oceanborn» und «Wishmaster», stattdessen hat die Band ihr Spektrum nun ausgeweitet in Richtung Soundtrack mit all seinen Facetten von sphärisch bis heftig. Dieser allerdings ist makellos: Man muss den Film nicht gesehen haben, um zu merken, dass hier ganz viel Fantasy, Elfen mit Schwertern, böse und gute Hexen und allerlei Tolkien-Personal mitspielt. Entsprechend fordert «Imaginaerum» die Hörer, ihre Aufmerksamkeit über ein ganzes Album zu spannen statt auf einzelne Songs. Wer vorsorgt, bestellt sich jetzt schon Karten für ihren Auftritt am 24. April im Hallenstadion.
Korn: «The Path Of Totality» (Warner) Noch ein Nachtrag von letzter Woche: Korn waren massgebend bei der Definition von Nu beziehungsweise Crossover-Metal, und sie wollen das auch in Zukunft bleiben: Für ihr neues Album haben sie mit aktuellen Dubstep- und Drum-and-Bass-Grössen wie Skrillex, Noisia und Excision zusammengearbeitet und ein Werk geschaffen, das Metal und Dubstep so eng verschmelzt wie noch nie dagewesen. Das klingt, als hätte sich umgekehrt die Dubstep-Ikonen Pendulum mit intelligenten Metallern zusammengetan. Korn bleiben dabei wie immer wuchtig, brachial und verletzlich zugleich. Unterm Strich ein spannendes, aufregendes, wegweisendes Album. Auch wenn das wohl vielen Fans dann doch zuviel Techno-Einschlag ist.
Samstag 03.12.2011
"La Dolce Vita"; The Golden Age of Italien Lifestyle, earbooks, um Fr. 45.-.
Früher war nicht alles besser, wie Nostalgiker so gern behaupten, einiges aber schon. Zum Beispiel der Star-Rummel: In den Fünfziger und frühen Sechziger Jahren schwebten die Stars noch himmelhoch über den Normalos, weit weg, unerreicht, engelsgleich. Und die noch hochanständigen Paparazzi zeigten die Schönen und Berühmten nur von der besten Seite, rotzende, kotzende oder koksende VIPs bekam das Publikum nicht zu sehen. Die Stars konnten sich ohne schrankbreite Body guards auf den Strassen von Rom bewegen, in Cafés Espresso trinken, Postkarten kaufen, ihre Hündchen spazieren führen, wenn ihre Filmdrehs in der Ewigen Stadt oder in Cinécità ruhten. Diese goldene Ära des italienischen Lebensstils und -gefühls vermittelt der Bildband LA DOLCE VITA. Ein Genuss für Augen und Ohren. Hier erst mal der Augenschmaus,was es auf die Ohren gibt erfahren Sie nach den Bildern von Aldo Durazzi.
Anita Ekberg in der Via Veneto, auf dem Weg zum Dreh von "La dolce vita" mit Federico Fellini. Das Bild, wie sich die Schöne im Trevi-Brunnen vergnügt, wurde zur Ikone. © Allle Bilder: Scala Archives Firenze
Claudia Cardinale auf dem Balkon ihre Apartements in Rom.
Richrad Burton und Liz Taylor auf dem Weg zur Filmpremiere "Sirene in blond" 1957.
Sophia Loren in ihrer Römer Villa am Silvester 1964.
Nebst den Schwarzweiss-Bildern in prima Druckqualität gibt es das Dolce Vita im Buch auch musikalisch: auf einer CD ist der Soundtrack zu Fellinis berühmtesten Film zu hören, der dem Buch auch den Namen lieh. Auf einer weiteren Scheibe sind all die Hits von einst versammelt: von "Volare" über "Tintarella di luna", "Arrivederci Roma" bis "Marina". Dank der Dreisprachigkeit des Bildbandes gibts so viel Schönheit inBild und Ton für faire Fr. 45.-. Grazie! Infos auf www.earbooks.net
Freitag 25.11.2011
Es weihnachtet sehr: Langsam muss man sich überlegen, was man am Weihnachtsabend auflegen will, wenn die Familie glückselig beisammen sitzt. Diese Woche stehen neu zur Auswahl: das grauenhaft kitschige «A Celtic Christmas» von Celtic Woman (EMI), das wahrscheinlich nicht ironisch gemeinte «A Very She & Him Christmas» von She & Him (Domino/Musikvertrieb) und das innovativ-alternative «Funny Looking Angels» von Smith & Burrows. Wir empfehlen letzteres, weil es guter Singer/Songwriter ist, und das zweite, weil es klingt wie auf den Fünfzigern. Ansonsten: Neue Musik zum Wochenende. Text: Christian Hug Adele: «Live At The Royal Albert Hall» (Musikvertrieb) Mit bloss zwei Alben hat sich die Engländerin eine grosse, treue Fan-Schar erspielt, zu Recht: Die Frau macht guten, intensiven Pop und hat eine grossartige Stimme. Nun schiebt sie ein Live-Album nach, auf dem Adele gaaaanz locker zeigt: Sie hat die Grösse, derentwegen einst Musiker zu Superstars wurden (das war noch vor der Zeit von Casting-Shows). Mehr gibt’s nicht zu sagen: Kaufen und geniessen! Das Album erscheint zusammen mit der DVD zur selben Show. Roxette: «Charm School Revisited» (EMI) Wir haben uns ja gefreut, als letzten Winter endlich wieder ein neues Album von Roxette erschienen ist. Jetzt erscheint dasselbe Album erneut mit einer Bonus-CD, auf der alle Songs als Demo-Version zu hören sind, also die Rohfassungen der Lieder, plus drei Remixes. Und einmal mehr zeigt sich: Rohfassungen sollten als solche besser unter Verschluss gehalten werden, weil sie schon per Definition nie so gut sein können wie die Endversionen. Da kann Per Gessle noch so nett klimpern. Und die drei Remixes klingen etwas verkrampft nach Anschluss-Suche an die französische Electronica-Schule, aber das sollte man besser richtig machen statt halbbatzig. Wer also «Charm School» schon hat und kein die-hard-Fan ist, kann die Revisited-Version bleiben lassen.
C.H. Country Helvetia: «Country Helvetia» (EMI) Zuerst die guten Nachrichten: Nach jahrelanger Total-Absenz ist unsere ehemalige Lieblings-Hoffnung Kisha auferstanden. C.H. ist eine Art Allstar-Band bestehend aus Kisha, Reto Burrell und Rickenbacher. Und das Artwork ist grossartig. Und jetzt die weniger guten Nachrichten: Die drei schöpfen ihr Potenzial nicht aus. Wir halten Reto Burrell für einen begnadeten Songschreiber, Kisha für eine gute Sängerin und Rickenbacher für einen ordentlichen Musiker. Doch was sie gemeinsam tun, bewegt sich auf den üblichen Mundart-Pop-Pfaden, wie sie im Radio gespielt werden (Stern etc) und stromlinien- und einförmig sind. Die Dringlichkeit fehlt, man spürt keine innere Notwendigkeit, und die Texte beschreiben schöne Alltäglichkeiten und Liebesdinge, aber sie sind nicht lyrisch. Am besten kommt das im Lied «Öpper öppedie» zum Vorschein: Im Blues verwurzelt, hätte man daraus einen knackigen, treibenden, drängenden Song machen können. Reto Burrell kann das problemlos. Aber C.H. bleiben auf Linie, sie entfernen sich keinen Millimeter vom Mainstream – in der irrigen Annahme, Mainstream bedeute das Fehlen von Dringlichkeit. Schade. Immerhin: Wenn Country Helvetia bedeutet, eine Schweizer Version des neuen Nashville-Sounds zu schaffen, dann haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen.
Culcha Candela: «Flätrate» (Universal) Herrje, was ist denn hier passiert? Der wilde Dancehall-/Rap-/Mestizo-Haufen aus Berlin hat mit seinem zweiten Album «Next Generation» ein absolutes Spitzenalbum veröffentlicht und sich damit auf dem Olymp gleich neben Seeed und Rotfront gesetzt. Mit dem 09er-Album «Schöne Neue Welt» begann diese dichte Dynamik leicht zu bröckeln – und jetzt ist diese tolle Band komplett zerbröselt: Sie scheinen orientierungs-, kraft- und lustlos herumzustampfen. Was für ein Jammer. Wir hoffen, dass sich Culcha Candela schnell erholt und mit ihrem nächsten Werk wieder auf der Höhe sein wird. GIT: «Imagination» (bbe/Namskeio) Zum Schluss etwas Heiteres (gut gegen hartnäckigen Nebel): GIT aus New York ist ein manischer Plattensammler (also ein Seelenverwandeter von uns) und bastelt aus seinem unerschöpflichen Fundus neue Musik: Jedes Stück ganz neu, ganz anders, immer eine Überraschung: Wie schon sein Debüt «Say Cheeze!» sammelt GIT Hip Hop, Funk, Latin, Elektro und überhaupt irgendwie alles und hält das Ganze mit Stimmensamplings und knackiger Perkussion zusammen. Eine helle Freude für Leute mit Humor.
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