Gealtert und vergräzt: Leonardo DiCaprio als FBI-Boss J. Edgar Hoover. c Filmstills 2012 Warner Bros. Ent.
Nein, das ist kein Irrtum unsererseits, das IST Leonardo DiCaprio, der vor 15 Jahren mit der untergehenden "Titanic" in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchte. Da überstrahlte sein unverschämt gutes Aussehen sein überragendes Talent. Dieses blieb dem Kennerblick jedoch nicht lange verborgen, und bald tauschte Regie-Haudegen Martin Scorsese seinen langjährigen Stamm-Schauspieler Robert De Niro mit DiCaprio aus und liess Leo schwierige, komplexe Charaktere spielen, etwa in "Gangs of New York", "Departed", "Aviator" oder "Shutter Island".
In seinem aktuellen Film J. EDGAR nun agiert DiCaprio unter einem weiteren Altmeister, von Clint Eastwood, unserer leider nicht massgeblichen Meinung nach auf Oscar-Niveau - wo hat die Academy bloss hingeschaut, dass ihr DiCaprios grandiose Leistung entgangen ist?!? Er nicht für den Oscar nominiert wurde?!? Er spielt den kleingewachsenen Machtmenschen, vom jungen Heisssporn bis zum verbittert-welken Greis, mit Furor. Klar haben die Maskenbildner dick auftragen müssen, um Pretty Leo zum Giftzwerg zu machen, doch scheint unter dem Make up jederzeit DiCaprios meisterliche Mimik durch.
Eitler Ehrgeizling: Der junge J. Edgar Hoover feilt an seinem Erscheinungsbild.
Vielleicht liegt seine Nicht-Nomination auch am Sujet: J. Edgar Hoover ist ein bad guy, in der kollektiven Erinnerung in den USA ein rotes Tuch, eine Figur, die polarisiert. Ein Ekelpaket, zerfressen von Ehrgeiz und Geltungssucht, jedenfalls zeigen ihn der Schauspieler und sein Regisseur so. Und als Muttersöhnchen, der lange am Rockzipfel seiner starken Mama (brilliant wie immer: Judi Dench) hing.
Lehrt ihrem Sohn den Walzertakt: Mutter Hoover (Dame Judi Dench).
So sehr Hoover sein Image pflegte, so gern er in der Intimsphäre von allen und jedem rumschnüffelte, so rigide hielt er sein Privatleben unter Verschluss. Für viele sicher ein Schock im Film zu erfahren, dass der FBI-Gründer und langjähriger Boss (er überlebte acht Präsidenten!) verkappt schwul war. Sein engster Mitarbeiter und FBI-Stellvertreter Clyde Tolson (Armie Hammer) war auch privat sein Weggefährte.
Seinem Chef und Partner treu ergeben: Clyde Tolson (Armie Hammer).
Frauen spielten in Hoovers Leben dennoch eine wichtige Rolle: Neben seiner dominaten Mutter vertraute der FBI-Gründer und Kommunisten-Hetzer Hoover nur Helen Gandy (Naomi Watts). Nachdem die Schreibkraft Hoover überstürzten Heiratsantrag abgelehnt hat, bleibt sie zeitlebens seine Sekretärin.
Loyal bis zum Schluss: Hoovers Sekretärin Helen Gandi (Naomi Watts).
Hinter der Kamera: Leonardo DiCaprio diskutiert mit Regisseur Clint Eastwood das Drehbuch von Dustin Lance Black ("Milk").
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