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Freitag 03.09.2010
Hin- und hergerissen sind wir diese Woche vom Angebot neuer Musik: Eine Band ohne Sängerin, dafür zwei Sängerinnen mit Kindern, ein Sänger mit Fremdsprache und eine Punkband ohne Punk. Das wollen wir uns genauer anhören: Neue Alben zum Wochenende Text: Christian Hug The Crayonettes: «Playing Out –Songs For Children And Robots» (Caw/Namskeio) Die amerikanische Folk-Sängerin Kathryn Williams (die mögen wir) und die Punk-Sängerin Anna Spencer treffen sich manchmal, damit ihre beiden Buben miteinander spielen können. Nun haben sie Kinderlieder eingespielt, die weder folkig noch punkig sind, sondern heiter-naiv. Das ist reizend. Vor allem, wenn Kathryn Sätze singt wie «There’s a sparrow up the tree, singing tralla-la-la-li». Aber weil unsere eigenen Kinder die englischen Texte nicht verstehen, müssen wir Erwachsenen die Musik alleine geniessen. 1000 Robota: «Ufo» (Buback/Nation) Das zweite Album des jungen Hamburger Trios wird uns als Punk-Sensation angepriesen. Punk? Ist der nicht längst tot? 1000 Robota klingen vielmehr so, als wären Tocotronic endlich aus ihrer Zivilisations-Betäubung aufgewacht und würden sich erinnern, dass sie ganz früher mal Bauhaus gehört haben. Aber immerhin: klingt interessant. Kimono: «Easy Music For Difficult People» (Kimi/Namskeio) Apropos interessantes Trio: Kimono ist eine isländisch-kanadische Dreierkiste, die eigenwilligen Gitarrenpop oder, wie man dem auch sagt, Math-Rock spielt, und das nun schon mit ihrem dritten Album. Natürlich sind wir selber üüüüüberhaupt keine komplizierten Menschen, aber wenn es um easy music geht, sind wir immer dabei... Und genau so klingt auch das Album. Gut gemacht! Und wenn wir schon bei gutem Gitarrenpop sind: Wer das neue Album von Arcade Fire mochte, mag auch: My Jerusalem: «Gone for Good» (One Little Indian/Namskeio), Charles De Bold: «The Lonesome Southern Comfort Company» Baschi: «Auf grosser Fahrt» (Universal) Gang bringe-n-uise! De Baschi hed jetz Tolle und singt hochdeytsch! Är hed, sicher ai mit viu Hiuf vo seynere Plattefirma, absoluit gar neyd la aabrenne und lifered suibiri Songs wo tenid wie Juli oder Silbermond. Sehrt suiber gsunge. Miär wiischid ihm nur s’Beschd. Und noch dieses Jahr soll sein neues Mundartalbum erscheinen. Tarja: «What Lies Beneath» (Universal) Die klassische Morcheeba-Situation: Wenn sich eine tolle Band von ihrer tollen Sängerin trennt, wie klingen dann die beiden solo? Nightwish und Tarja Turunen ghen seit fünf Jahren eigene Wege. Nightwish ohne Tarja verlor auf ihrem Album «Dark Passion Play» viel von ihrem Charme. Und Tarja verliert, wie sich jetzt auf ihrem ersten Soloalbum zeigt, ohne ihre alte Band den Druck und das bezaubernde, rasend schnelle Tempo. «What Lies Beneath» klingt, als hätte Kate Bush den Fantasy-Metal entdeckt. Hübsch und aber auch kitschig. Stonesour: «Audio Secrecy» (Roadrunner/Musikvertrieb) «Come What(ever) May», das letzte Album aus dem Jahr 2006, wurde im «Rock Hard» zum Album des Jahres gekürt. Mit «Audio Secrecy» wird das Nebenprojekt von Slipknot-Sänger Corey Taylor diese Auszeichnung definitiv nicht mehr kriegen: zu flofflig, zuwenig konzentriert und zu viele belanglose Balladen. Und ja: Und fast kein richtiger Metal mehr.
Freitag 27.08.2010
Wir haben die Wahl: Wollen wir über die Schwierigkeiten diskutieren, sich im Leben zurechtzufinden – oder erstmal fröhlich tanzen? Dieses Wochenende sind beide Varianten möglich: Neue Musik zum Wochenende. Text: Christian Hug Gölä & Bellamy Brothers: «The Greatest Hits Sessions» (Universal) Unser Lieblings-Redneck wird nicht SVP-Nationalrat. Dafür vielleicht berühmt in Amerikas Country-Szene: Gemeinsam mit den Bellamy-Brüdern spielt er Bellamy- und Gölä-Hits neu ein. Das geht von heiter («Schwan» auf Englisch) bis schwabbelig («Some Broken Hearts» zum Mitheulen). Ist das jetzt schon Altherren-Country? Aber hey: Wer die Bellamys und/oder Gölä mag, wird dieses Album lieben. Wir sind Helden: «Bring mich nach Hause» (Sony) Fertig mit der «Reklamation», die köstliche Ironie aus «Rüssel am Schwanz»-Zeiten sind vorbei: Sängerin Judith Holofornes und Schlagzeuger Pola haben mittlerweile zwei gemeinsame Kinder und sind über 30. Jetzt schlagen sie sich mit den klassischen Zurechtfindungs-Problemen der Thirty-somethings herum. Kinder, Steuern, Treue. Das machen sie zwar gut, durchaus. Aber leider gänzlich humorfrei. The Qemists: «Spirit In The System» (Ninja Tune/Musikvertrieb) Immer noch glücklich vom absolut grossartigen Pendulum-Konzert am Heitere, sind wir fiebrig auf der Suche nach weiteren Bands, die Jungle, Big Beat und Dancefloor so genial verschmelzen wie eben Pendulum. Mit den Qemists aus England werden wir fündig und glücklich – und weil das bereits ihr zweites Album ist, machen wir uns natürlich sofort auch auf die Suche nach deren Debüt. Und wenn ihr schon im Laden steht: Fragt auch nach The Upbeat. Royal Republic: «We Are The Royal» (Roadrunner) Was tun, wenn man in Malmö, Schweden, zu Hause ist? Abrocken! Und zwar schnell, geradlinig und mit Witz. Royal Republic erfinden auf ihrem Debüt die Welt nicht neu, aber ihr Rock ist sowas von scharf akzentuiert und präzise konturiert, dass selbst Rock-Held Danko Jones Mühe hat, mitzuhalten. Übrigens ebenfalls ab heute in den Läden: «Women And Children Last» von den Murderdolls, dem Mitsing-Seitenzweig der Metalgötter Slipknot. Kim Wilde: «Come Out And Play» (Sony) Und jetzt mit den Händen über dem Kopf klatschen und die Hüften schwingen: Kim Wilde ist wieder da! Wir erinnern uns an die Achtziger, als die Blondine uns mit «Chequered Love» und «Kids In America» die Tanzabende versüsste. Jetzt singt sie neue Lieder, und die klingen so, als hätten die Neunziger und Nuller nie stattgefunden. Bye bye, Lady Gaga. Katie Perry: «Teenage Dream» (EMI) «I Kissed A Girl» war ein toller Popsong, auch wenn die Predigerstochter weder im Video noch im realen Leben je mit einem Mädchen geschmust hat (sie küsst ja bald Russel Brand auf ewig). Jetzt kommt Perry mit ihrem zweiten Album, das bekanntermassen als besonders schwieriges gilt. Tatsächlich: Perry pendelt auf «Teenage Dream» zwischen Cher, Christina Aguilera und Melanie Fiona und zielt krampfhaft auf das Zielpublikum 18-Jährige, findet aber kaum eine eigene Sprache. Und am Ende hat das Album denselben Makel wie das letzte Werk von Aguilera: Netter Versuch, aber klinisch halbtot.
Donnerstag 26.08.2010
The Prodigy: Die Briten treten am Sonntag am 1. Zürich Openair auf. The Hives: "Hate to Say I Told You So." Alternative Rock aus Schweden. Placebo: Erhielten 2009 den MTV Europe Music Award für den “Best Alternative Act”. Festivalgelände: Hier finden vom 27. August bis 29. August 45 Konzerte statt (keine Angst, eine Bühne und Bier und so hat’s selbstverständlich auch.) Man könnte meinen, Openairs gäbe es bereits genug. Aber nein, vor allem nicht mit dieser Besetzung! Das Zürich Openair versammelt 45 Bands, von Weltstars bis Geheimtipps, aus den Sparten Indie-Rock und Elektro. Darunter Placebo, The Prodigy, Mando Diao, Faithless, Underworld, Hole, Belle and Sebastian und Groove Armada – und die Zuger Band Joules, Sieger des grossen Band-Contests, an dem über 500 Musikgruppen teilgenommen hatten. Auf dem 95.000 Quadratmeter grossen Festivalgelände werden Restaurants und Bars aufgestellt und Marktstände. 6000 Spatz-Zelte können errichtet werden. Und sogar einen Coiffeursalon hat’s - falls das Wetter oder das Bier die Fönwelle ruiniert hat. A propos Wetter: Es soll ein wenig kühler werden und lokale Gewitter sind möglich. Aber insgesamt sehen die Prognosen nicht übel aus – zumindest ist das der Stand heute Donnerstagabend. 15.000 Besucher werden erwartet. Tickets zu 80 Franken pro Tag, 130 Franken für SA und SO oder 160 für alle drei Tage vom 27. bis 29. August 2010 unter www.zürichopenair.ch
Dienstag 24.08.2010
Redaktion: Anita Lehmeier Komplizenschaft in Pastell - vom grossen Bartak. 16 Tage lang steht Langnau im Emmental ganz im Zeichen des Wahnsinns. Vom 28. August bis zum 12. September findet da nämlich das 5. Internationale Cartoon Festival statt, die sich auf die Spuren des Wahnsinns begeben haben und Humor als Therapie verabreichen. 90 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa zeigen an der Triennale der Komischen Kunst ihre Werke in der Kupferschmiede an der Güterstrasse 20 und machen das idyllische Dorf zum Mekka des gezeichneten Humor. Vielleicht sind es gerade die Satiriker, die von ihrer etwas distanzierten Warte aus das global-lokale Treiben noch mit ungetrübtem Blick wahrnehmen und mit spitzer Feder kommentieren. Ein paar Müsterchen von heiterem bis rabenschwarzem Humor Say Cheeeeeeese. Festgehalten von Glück.  Erzählen Sie mal, wie das angefangen hat…. Freud, belauscht von Kountouvis. Treffen sich zwei Männer, fragt der eine.... Cartoon von Pfuschi Zwei Meister der Komischen Kunst zeigen ihre Werke in Kabinettausstellungen: Rudi Hurzlmeier, der Münchner mit den liebenswerten Losern und der Wiener Chronist des White Trash: Manfred Deix. Im Rahmenprogramm gibt es ausserdem Comedy und Lesungen (mit Peter Schneider, Bänz Friedli, Den Gebirgspoeten und Max Küng), auch Konzerte und eine Performance: der Maler Rudi Hurzlmeier und der ehemalige "Titanic"-Chefredaktor Oliver Maria Schmitt zeigen als Schweizer Premiere "Das Urknall-Komplott". Das Internationale Cartoon Festival ist vom 28. August bis zum 12. September täglich von 10 bis 21 Uhr offen. Tagespass Fr. 15.-, Festivalkarte für 16 Tage Fr. 75.-, bis 16 Jahre gibts Rabatt. Infos www.cartoonfestival.ch oder Telefon 034 402 70 90
Montag 23.08.2010
Katy Perry: Am 8. September in Zürich. Tickets werden verlost. Nix wie los! Eine kurze Eilmeldung… bevor der Server des kaufleuten.com zusammenbricht: Machen Sie gleich mit bei der Verlosung der Eintritte zum Auftritt von Katy Perry am Mittwoch, 8. September 2010. So nahe werden Sie der Pop-Diva nie wieder kommen! Anlass ist Perry neues Album “Teenage Dream”. Für das Zürcher Konzert von Brandon Flowers, Frontmann der Band The Killers, gibt es ebenfalls eine neue Verlosung. When you were young… Brandon Flowers von den “Killers” singt am Sonntag, 3. Oktober, im Kaufleuten.
Freitag 20.08.2010
Das Wetter soll ja wieder werden. Das ist gut: Mit einem sonnigen Gemüt geht man neuen Horizonten gerne entgegen. Diesen Mut brauchen Musikfreunde nämlich jetzt: Album-Neuheiten zum Wochenende. Text: Christian Hug Yannick Noah: «Frontières» (Sony) Seit bald 20 Jahren singt der ehemalige Weltklasse-Tennisspieler nun schon heitere Lieder, und man fragt sich mit jedem neuen Album wieder, ob er vielleicht nicht doch hätte weiter Tennis spielen sollen. Auch auf «Frontières» hält sich der freundliche französisch-kamerunische Wahl-New-Yorker mit altbackenem Achtziger-Singsang schadlos und wird damit ziemlich sicher wieder erfolgreich die bedürfnislose Mehrheit ansprechen. PS: Ebenfalls leicht und bekömmlich: «Eureka» (Universal) von Rooney. Black Label Society: «Order Of The Black» (Roadrunner/Musikvertrieb) Nicht alle Projekte, die der Rock-Gitarrero Zack Wylde anzettelt, sind Geniestreiche. Muss auch nicht, wenn sein Ziel in erster Linie feisser, Bier-kompatibler Rock heisst. Und das hat er mit seiner Black Label Society wieder mal erstklassig hingekriegt, diesmal sogar mit mehr fetten Hooklines als beim letzten Mal: rauer, tonnenschwerer, geradliniger Stonerrock mit der Wucht einer Lawine (und die eine und andere «Ballade»). Vollservice für harte Jungs und toughe Mädels! PS: Ebenfalls hard & heavy: «Blood Of The Nations» (Warner) von Accept. Esperanza Spalding: «Chamber Music Society» (Heads Up/Musikvertrieb) «Und kennst du Esperanza Spalding? Schreib dir den Namen auf. Sie ist genial.» Diese Empfehlung gibt im «Rolling Stone»-Interview kein Geringerer als Dancefloor-Übergott Prince! Er hat natürlich recht, auch wenn er damit seinen Fans viel Geduld und Gwunder abverlangt (aber anders kommen wir ja sowieso nicht weiter): Die Bassistin, Sängerin und Komponistin verbindet alte Kammermusik mit neuem Vocal-Jazz. Lange hinhören, entdecken, sich begeistern! Live übrigens am 28. Oktober am Zürcher Jazznojazz-Festival. !!!: «Strange Weather, Isn’t It?» (Warp/Musikvertrieb) Bei der Bezeichnung New-York-Underground-Progressive-Arty-Dancerock (oder so ähnlich) werden wir sofort hellhörig, weil uns da hedonistisch überdrehte Bands von Talking Heads bis LCD Sound System in den Sinn kommen. Die Band mit dem kurligen Namen !!! (ausgesprochen ChkChkChk) gehört hier seit einigen Jahren dazu. Im Vergleich zu «Myth Takes » von 2007 ist ihr neustes Werk aber auf befremdende Art gemässigt und glattgebügelt. Die Ecken, Kanten und das Überdrehte sind vernünftigen Kompositionen gewichen. Schade. Aber anhören sollte man sich das Album trotzdem: Wirklich schlecht ist es ja keineswegs. Live übrigens am 17. November im Docks in Lausanne. PS: Ebenfalls reinhören (dringend): «Surfing The Void» (Universal) von The Klaxons. Pale Sketcher: «Demixed» (Ghostly International/Namskeio) Man wird milder aufs Alter, im Fall von Justin Broadrick sogar sehr milde: Mit Napalm Death war er Miterfinder der ultraschnellen Metal-Variante Grindcore, mit Godlfesh spielte er erst harten und mit Scorn langsamen Industrial, mittlerweile ist Jesu sein eingängliches Gitarren-Projekt – und Pale Sketcher dessen elektronischer Ableger. «Demixed» ist eine Weiterbearbeitung älterer Remixe und durchs Band in angenehm fülligen Klängen sphärisch und chillig.
Freitag 13.08.2010
Die Auszeichnung «Album der Woche» geht diesmal an Laura López Castro und Don Philippe, The Hoosiers fallen in den Keller und werden dort zur Strafe von Eddie malträtiert, derweil wir unsere Mütter glücklich machen: Neue Musik zum Wochenende. Text: Christian Hug Iron Maiden: «The Final Frontier» (EMI) Eddie is back! Vier Jahre nach «A Matter of Life and Death» kommen die Miterfinder des New Wave of British Heavy Metal mit einem neuen Album, das zwar heute erscheint, aber bisher von keinem Journalisten angehört werden durfte. Ausser zwei Songs. Und die sind: Klasse. Typisch Maiden halt, mittlerweile eine Art von Metal für Gesetzte. Apropos Metal: Heute erscheint auch «Heaven’s Venom» (Nuclear Blast/Warner) von Kataklysm: Für alle, die’s gerne vier Zacken härter haben. The Hoosiers: «The Illusion Of Safety» (Sony) O je: Vor zwei Jahren überraschte das englische Trio mit «The Trick Of Life» einem heiteren Debüt, das zwar die Welt nicht veränderte, aber mit Witz, Überdrehtheit und Charme daherkam und uns mit Freude auf den Nachfolger waren liess. Dieser ist jetzt da. Und er klingt wie ideenloser, pseudofröhlicher Kindergartenpop. The Hooser haben also entschärft statt zugespitzt. Schade, schade. Wo wir doch so viel Hoffnung hatten. Laura López Castro & Don Philippe: «Optativo» (Nesola/Sony) Die deutsch-spanische Sängerin und der deutsch-französische Gitarrist wissen, wie man gute Geschichten gut erzählt: Sehr einfach, von einer ruhenden Mitte heraus und mit Hingabe und Witz gleichermassen. Auch auf ihrem dritten Album (grossartiges Cover) bleibt das in Stuttgart heimische Duo schlicht und einfach: schön. Würden sie ihr Instrumentarium etwas erweitern, könnte man sie problemlos als Nachfolger von Lhasa selig bezeichnen. Life zu geniessen: 30.9. Chur, Werkstatt; 1.10. Zürich, Moods; 2.10. Thun, Café Mokka; 3.10. Freiburg, Jazzhaus. Apropos tolles Frau/Mann-Duo: Heute es erscheint auch «Hawk», das neue Album von Isobel Campell und Mark Lanegan (Universal) Matthew Dear: «Black City» (Ghostly International/Namskeio) Unter seinem Pseudonym Audion veröffentlicht der Kulturanthropologe aus Texas schwere Dancefloor-Sounds, unter seinem bürgerlichen Namen pflegt er Minimal Techno. Wie sehr ihm das Drehen an Reglern Freude macht, zeigt er mit seinem neuen Album: Lasziv und druckvoll kommen die Beats, störrisch und geradlinig ist der Gesang. Eine Art Symbiose aus Supermax, New Order und Front 242. Für Tanz- und Electronica-Freunde ein Genuss! Captain Cook und seine singenden Saxophone: «Nachts in Rom» (Sony) Da stösst man als unvoreingenommener Hörer auf eine Band mit dem schrägsten Bandnamen seit langem und erwartet lustigen Schlager im Stil von Guildo Horn und Chris Rabatz, aber hey: Die meinen das todernst! «Volare» instrumental, «Spanischer Wein», dass derselbe schlagartig sauer wird... Aber macht nichts: Wir schenken das Album unserer Mutter und werden dafür wieder mal aus Liebe bekocht.
Freitag 06.08.2010
Während sich die Plattenfirmen auf den Musikherbst mit den Neuheiten der ganz Grossen des Musikgeschäfts vorbereiten, veröffentlichen kleine Bands ihre Alben und offenbaren die eine oder andere Perle. Dazu: Bye bye A-ha. Fünf Alben zum Wochenende.
Text: Christian Hug
Nathaniel Rateliff: «In Memory Of Loss» (Rounder/Universal)
Zuerst ein kleiner Nachtrag zu letzter Woche: So, wie zum Beispiel die «American Recordings» von Johnny Cash die Reduktion von Songs im Stil von «Ich und meine Gitarre» waren, nähert sich Rateliff der Song-Essenz von der anderen Seite und entwickelt Skizzen. Klingt sehr eigenwillig und verschroben, aber spannend. Hätte Rateliff zusätzlich etwas Humor in seine Lieder gepackt, könnte man ihn problemlos mit Devendra Banhart vergleichen.
Sky Larkin: «Kaleide» (Witchita/Universal)
Das erste Album des Trios aus Leeds hat die Erwartungen nach den vielen Vorschusslorbeeren erfüllt, nun bleibt die Band mit Album Nummer zwei auf ihrer Linie: Eigenwillige Gitarrenpop-/Indierock-Songs, die in der Melodieführung immer wieder mal Haken schlagen und in der Proportionierung der Instrumente gerne mal die Gewichte verschieben. Kommt zwar nicht an den Rang einer Offenbarung heran, ist aber durchaus anregend.
A-ha: «25» (Warner)
Diesmal soll es für immer aus sein. Sagen A-ha zu ihrem neuerlichen Best-Of-Album und bezeichnen «25» deshalb als Abschiedsgeschenk. (Also geschenkt ist es ja nicht, man muss das Album kaufen.) Auf zwei CDs sind ihre grössten und grösseren und kleineren Hits versammelt, dazu einige Remixes, die bisher nicht auf Alben erhältlich waren, plus ein ganz neuer «Abschiedssong». Wer nicht schon eine A-ha-Best-of hat: Jetzt einsteigen. Denn mindestens eine Best-of von diesen lustigen Schweden gehört in jede Pop-Sammlung.
Diana Vickers: «The Tainted Cherry Tree» (Sony)
Da schau her: Bis jetzt haben die Amerikaner den Lebensinhalt «Fun» für sich beansprucht. Nun sagt auch eine blutjunge Engländerin auf die Frage, wie sie ihr Debüt beschreiben würde, mit «Fun – and lots of electropop.» Stimmlich erinnert Fräulein Vickers oft an Dolores O’Riordan von den Cranberries, aber eben: Mit Fun-Elektropop ist englischer Tanzpoptradition nicht beizukommen. Und Hey: Bald erscheint das neue Album von Kim Wilde. Dann wird Diana Vickers wahrscheinlich alt aussehen.
Jai Uttal/Ben Leinbach: «Bhakti Bazaar» (Silenzio/Heeb)
Neue Musik von Jai Uttal kann man immer unbesehen kaufen! Denn der gebürtige New Yorker hat dieses wunderschöne Gespür dafür, spirituelle indische Musik in unsere «Sprache» zu übersetzen, ohne dass deren Gehalt verloren geht, ohne weinerlich zu wirken und Spiritualität in ihrer unaufgeregten Selbstverständlichkeit zu besingen. Das können so berührend nur wenige «Übersetzer» dieser Art. «Bhakti Bazaar» ist die Fortsetzung von «Music For Yoga And Other Joys» im Zusammenspiel mit Ben Leinbach: Falls es sich dieses Wochenende ergeben sollte, Liebe nicht nur zu leben, sondern auch zu machen: Versucht’s mal mit «Bhakti Bazaar». Kommt definitiv besser als das Geheule von Whitney Houston.
Freitag 06.08.2010
Reinhören in "Dark Crooning".
Yannick Aellen, Foto-Copyright Christoph Varga.
Der Zürcher Yannick Aellen ist ein Multitalent, das sich in der Modeszene daheim fühlt. Seine Zusammenarbeit mit Stars wie Model Natashsa Poly, Sängerin Vanessa Paradis, Fotograf Walter Pfeiffer oder Schauspieler Luke Evans führte bereits zu beeindruckenden Ergebnissen. Labels wie Louis Vuitton oder Prada vertrauen auf seinen Sinn für Stil und auch an der Energy Fashion Night sorgte er für den richtigen Groove. Nun bringt er sein erstes musikalisches Werk auf den Markt: Gemeinsam mit Produzent Christoph Varga alias seiith schuf er einen poppig-düsteren Mix. Die drei Tracks von "Dark Crooning" – etwa das an die Kultband Depeche Mode erinnernder "The devil (is a woman I never slept with)" – klingen in der Seele nach... Für düstere Romantik die richtige Untermalung!
Erhätlich ab heute auf allen bekannten digitalen Plattformen.
Donnerstag 05.08.2010
Frau Schneider, Purserin: An ihr hängt alles. Geheimnisträger in Taschenausgabe. Für Frauen ein Muss. Für Männer ein Mysterium. Regula Esposito, eine der Damen des Kabarettistinnenquartetts Acapickels, tourt vom 3. September an mit ihrem Solo-Programm durch die Schweiz. Von Basel bis Biglen und Luzern bis Zürich geht die Dame dem Wesen der Handtasche auf den Grund – als resolute “Purseologin” Dr. Helga Schneider. Alles wird durchneuselt, von der falschen Schlange über die speckige Kelly bis zum alten Sack. Begleitet wird Dr. Helga von ihrem Fan, dem Assistenten und Musiker Roland Strobel alias Andrej Strobstrophsky. Und Tickets wie mehr Informationen gibt’s über helga-is-bag.ch oder startickets.ch. Es ist anzunehmen, dass Dr. Helga auch Sie in die Tasche steckt.
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