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Montag 23.08.2010
...an der Wand: Wer ist die Schönste und DER Schönste im ganzen Land? Nadine Strittmatter wird dieser Frage in ihrer Casting-Show "Fashion Days Model Challange 2010" nachgehen - in ihrer neuen Rolle als Fernseh-Moderatorin (ab 14.9. auf Pro7). Für das Interview mit SI Style stieg die 25-jährige Aargauerin in Designerkleider und liess sich vom Schweizer Fotografen Nathan Beck inszenieren und ablichten.
Fotograf Nathan Beck, Nadine Strittmatter.
Stylistin am Werk: Nadine Strittmatters Haar wird von Helve Leal frisiert.
Pause für Nadine. Die Sonne brennt...
.... und die Hüllen fallen.
Freitag 25.06.2010
Nicola Capobianco aka Liquid Soul: Laut beatport.com mit seinem Track “Spell” an der Spitze. Liquid Soul: “Spell”. Bestverkaufter Track in den letzten zwölf Monaten. Zu sehen und hören unter anderem an der Streetparade in Zürich am 13. und 14. August. Gute Nachrichten für Nicola Capobianco, den Zürcher Musiker, Produzenten und DJ Liquid Soul: Er wurde mit dem international ausgeschriebenen Beatport Music Award ausgezeichnet, einer Art Grammy in der Sparte “Elektronische Musik”. Der 30-jährige ist somit der beste Künstler im Bereich Psy Trance und komponierte wie produzierte den besten Track 2010 im Bereich Psy Trance: “Spell”. Das “Zeitgeist”-Interview mit Nicola Capobianco findet sich in SI Style 06/2010 sowie auf dem SI Style-Blog. Wir gratulieren! Am 3. Juli ist Liquid Soul in Zürich auf der Landiwiese beim Hertz @ Zürifäscht zu hören (Eintritt frei), danach an der Streetparade und am 4. September im Stairs.
Donnerstag 24.06.2010
Unser neustes Shooting mit Multitalent Martin Rapold führte uns in das Clubhaus des Ruderclubs GC. Eine ungewöhnliche Location, aber dank der guten Beziehungen von Fotograf Tom Bauer (Gewinner der Goldmedaille 1994 Junioren) hatten wir Heimspiel.
Martin Rapold wird von Jana Müller abgepudert.
Gutgelaut zupft Martin auch Janas Haare zurecht.
Und bitte schön in die Kamera schauen.
Lily wollte Martin nicht mehr von der Seite weichen.
Kritisch werden die Fotos begutachtet. Das Shooting und das Interview gibts in der aktuelle SI Style.
Donnerstag 10.06.2010
Zwei Herzen: Karim Rashid, Designer, Alleinunterhalter und Ehemann. "Oft hält man mich nicht für seriös, weil ich Farbe benutze oder mich anders kleide. Alles, was abweicht, ist verdächtig." Mehr Farbe: Karim Rashids Restaurant “Majik” in Belgrad. Lichter Raum: Karim Rashids Restaurant “Morimoto” in Philadelphia. Heute Abend, 10. Juni, spricht der New Yorker Designer Karim Rashid, 50, im “Redbox” an der Seestrasse in Zollikon zum Thema “Design brings pleasure”. Mit dem exklusiven Anlass feiert Campari das 150-Jahre-Jubiläum und lanciert Rashids Flasche in Murano-Glas von Venini. SI Style führte in Basel ein Interview mit dem “Poet of Plastic”, dessen Stuhl “Oh” millionenfach produziert wurde. Design muss den Benutzern ein neues Erlebnis bieten, sagen Sie. Welches war Ihr jüngstes Erlebnis? Karim Rashid: Ein gutes oder ein schlechtes? Was Ihnen in den Sinn kommt... Ein grässliches. In meinem Hotel in Madrid, vergangene Nacht. War das Bett zu kurz? Sie sind ja 1 Meter 93 gross! Nein, diesmal war es das Bad. Wenn man die Tür öffnete, stand der Waschzimmertisch im Weg, und ich holte mir blaue Flecken. Das gesamte Zimmer war irgendwie falsch. Insgesamt erlebe ich Design sehr viel häufiger als Ärgernis, als dass ich Freude daran hätte. Vorhin, im Tram, habe ich beim Aussteigen den Kopf angeschlagen. Ist das mein Problem oder dasjenige des Designers? Des Designers! Wenn wir Designer unsere Arbeit recht machen, sollte das Resultat bei aller Ernsthaftigkeit vergnüglich, schmuck und bezaubernd sein. Eine Welt, die wir mit Wohlgefallen erfahren. Aber Designer denken nicht so, sie schauen sich als Erstes das an, was es bereits gibt. Nehmen wir das Hotelzimmer: Bett zur Wand. Stuhl neben dem Fenster. O ja, ein Schreibtischchen braucht es noch. Das tun wir hier hin. Oder dort? Hm... Da bewegt man sich bloss in alten Denkmustern. Ich muss mich doch fragen: Braucht es überhaupt einen Schreibtisch, einen Stuhl? Und warum hat es bloss einen Stuhl... ...wenn es zwei Betten hat... Genau. Alle diese Merkwürdigkeiten. Jedenfalls: Design ist, eine neue Welt zu formen. Zeitgenössische Themen, zeitgenössisches Verhalten, zeitgenössische Technologien - das ist ein Unterschied. Mir ist, als missdeuteten wir gegenwärtig, was Design ist. Design wurde zur Dekoration, zur Kunst... Sie arbeiten häufig mit leuchtenden, fröhlichen Farben. Warum? Wissen Sie, bis im Alter von Mitte dreissig waren alle meine Arbeiten schwarz und weiss. Und Sie trugen auch ausschliesslich Schwarz oder Weiss. Ja, genau. Als Teenager bevorzugte ich Weiss und Pink. Als ich mich dazu entschied, Industriedesigner zu werden und in die Geschäftswelt einzusteigen, begann ich, Krawatten und Anzüge zu tragen. Im Jahr 2000 hatte ich von all den Uniformen genug. Wir sollten alle Individualisten sein und uns die Freiheit nehmen, uns so anzuziehen, wie wir das für richtig halten. Man hält Farbe für unseriös. Genau! Seit Jahren bin ich Assistenzprofessor für Philosophie und werde oft als «nicht seriös» abgestempelt, weil ich Farbe benutze oder mich anders kleide. Interessant, wie konservativ sogar Studenten an Kunstschulen denken! Alles, was abweicht, ist verdächtig. Hinzu kommt, dass die Intellektuellen Design und Architektur lange Zeit belächelten, das waren in ihren Augen jene, die runde Badewannen machten. Aber die Zeiten ändern sich. Design muss poetisch sein, sagen Sie. Genügt Funktionalität nicht? Design sollte ein gewisses Mass an Selbstentfaltung enthalten, ein Markenzeichen. Die Industrie produziert makellose Produkte. Wie soll sich da ein Hersteller vom andern unterscheiden? Er muss seine eigene Identität finden und ein gewisses Mass an Poesie anbieten. Wer das nicht tut, wird nicht überleben. Trifft «Poesie» auch den Mythos einer Firma und ihrer Produkte? Sollte Design hinter der Brauchbarkeit verschwinden? Nein, das kann durchaus das Gegenteil sein! Das gehört zur Herausforderung als Designer. Man entwirft ein Objekt, und die Leute denken: Wow, was für ein schönes Teil, sieht aus wie eine Skulptur! Und dann benutzen sie es und sagen: Na, das ist ja wirklich brauchbar!
Montag 31.05.2010
 Schwedens erfolgreichster Autor, Henning Mankell, *1948, hier im Jahr 2009. Copyright: Lina Ikse Bergmann Der schwedische Bestsellerautor Henning Mankell, seit gestern auf einem der Schiffe der Aktion Ship to Gaza unterwegs, muss seine geplanten Veranstaltungen in Zürich (heute abend, 31. Mai) und Konstanz (morgen, am 1. Juni) absagen. Er bedauert dies sehr und hofft, diese Termine sobald wie möglich nachholen zu können. Seine Teilnahme an den weiteren Veranstaltungen in Berlin (3. Juni), Düsseldorf (4. Juni) und Braunschweig (5. Juni) hängt von der derzeitigen, ungewissen Entwicklung der politischen Aktion der „Solidaritätsflotte“ ab. Derzeit gibt es keine aktuellen Nachrichten von Henning Mankell. Zusatzmeldungen am 1. und 2. Juni: Lebenszeichen von Henning Mankell: Der Bestseller-Autor ist nach seiner Teilnahme an der Schiffsflotte für Gaza von israelischen Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen worden. Inzwischen ist Mankell in Göteborg, Schweden. Mankells jüngstes Werk: Im Krimi “Der Feind im Schatten” ermittelt Kommissar Wallander ein letztes Mal. Das Buch steht auf der aktuellen “Spiegel”-Bestsellerliste auf Platz 2. Erschienen bei Zsolnay. Die Lesung im Kaufleuten, Zürich, ist auf den 29. Juni verschoben worden. Dem Vernehmen nach sind wegen des neuen Termins noch ein paar Plätze frei.
Mittwoch 19.05.2010
Liquid Soul am DJ-Pult: Der Zürcher Nicola Capobianco komponiert - und legt auf vier Kontinenten auf.
Progressive Trance in Brasilien: Liquid Soul und 50.000 Partygäste in Sao Paolo, April 2009.
Doppel-CD “Cocktails”: Weltmusik von Tokio bis Porto Allegre.
Nicola Capobianco alias Liquid Soul und Sleek, 30, hatte seinen Durchbruch mit dem Album «Synthetic Vibes». Als DJ legt der Bülacher Progressive Trance auf. Neue CD: «Cocktails» (Iboga Records). liquidsoul.ch
Schweizer Illustrierte Style: Wie viel Zeit benötigen Sie, um ein Stück zu komponieren?
Nicola Capobianco: Wenn ich im Bett liege, spielt die Melodie im Kopf, ich habe den Song auch visuell vor mir. Am
Tag darauf, im Studio, ist es, als müsste ich nur die Play-Taste drücken, und alles ist da. Läuft es super, ist der Song in zwei Tagen fertig, und nach zwei, drei Wochen Korrekturen fliesst er so, wie ich mir das vorstelle. Und dann bin ich supernervös, bis ich weiss, wie mein Freund DJ Martin reagiert, er ist ja ebenfalls Produzent.
Wie lange legen Sie als DJ im Klub auf?
Live eine Stunde, im Set zwei Stunden. An den grössten Partys, in Brasilien, tanzen bis zu 50 000 Leute zu meiner Musik.
Wie feierten Sie Ihren 20. Geburtstag?
Intensiv. Wir gaben Vollgas. Früher ging ich gern in den Klub, heute muss ich hin.
Wann ist Ihnen langweilig?
Am Flughafen. In manchen Wochen lege ich in vier Kontinenten auf, von Japan bis Tansania. Da summiert sich das Warten.
Wie hoch war Ihr erster Stundenlohn?
Das weiss ich nicht mehr, ich trug jedenfalls mit dem Töffli den «Wospi» aus, die Wochenzeitung fürs Zürcher Unterland.
Welcher Gegenstand ist am längsten in Ihrem Besitz?
Mein Bett. Und meine zwei Technics-Plattenspieler, gekauft vom Lehrlingslohn als Stromer. Da war ich 15. Mit 16 produzierte ich Techno und Trance, obwohl ich noch nie in einem Klub war. 2003 kündigte ich meinen Job als Elektromonteur, ich fühlte, das ist nicht mein Leben.
Würden Sie heute etwas anderes tun?
Ich hätte gern Klavier spielen gelernt.
Was würden Sie noch lernen wollen?
Der Weg ist das Ziel, dann kommt alles, wie es kommen muss.
Welchen Moment würden Sie gern erneut erleben?
Meine erste grosse Liebe.
Welchen lieber nicht?
Meinen Autounfall und die zweijährige Therapie. Ich habe dadurch zwar viel gelernt. Man erwacht. Und lebt im Jetzt.
Wie lange dauerte Ihr längster Filmriss?
Zwei, drei Monate … im Sommer 2009. Zu viele Gigs, zu viele Flüge, zu wenig Schlaf. Es lief nichts mehr, ich konnte auch meine Musik nicht mehr hören.
Was schieben Sie auf die lange Bank?
Alle Büroarbeiten.
Wo verbrachten Sie Ihre letzten Ferien?
Zwei Wochen allein in Thailand, nach meinem kleinen Burn-out. Ich konnte mich da sehr gut erholen und fand den Weg zurück zu meiner Musik.
Mit wem würden Sie gern einen Tag verbringen?
Mit Peter Gabriel, er hat ein mega Studio.
Und eine Nacht?
Mit meiner Freundin und Angelina Jolie.
Wie alt möchten Sie werden?
So alt, bis es Zeit ist zu gehen. Ich habe keine Angst vor dem Tod.
Interview René Ammann
Liquid Soul ist im Sommer 2010 in der Schweiz, in Brasilien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, Indien, Israel, Japan, Österreich, Russland, Tansania und Ungarn zu hören. Vollständige Liste: www.liquidsoul.ch
Freitag 23.04.2010
Unser sympathischer Interview-Partner Michael von der Heide, überraschte die ganze Crew als perfektes Foto-Model. Unkompliziert, ausdauernd und immer freundlich zeigte sich der Sänger am Fototermin. Sehen Sie die Fotos und lesen sie das Interview mit dem Schweizer Vertreter des Eurovision Song Contest (29.5.2010 in Oslo) in der aktuellen Ausgabe der SI Style.
Posing wie ein Hollywood Star
Konzentriert bei der Arbeit...
...ohne Zigipausen!
Widmung des Stars an SI Style.
Freitag 19.03.2010

Was uns der Schweizer Schauspieler Roeland Wiesnekker im Interview erzählt, gibt jetzt in der SI Style Nr. 4 zu lesen. Ab 18. März am Kiosk.
Fotos: Oliver Nanzig
Dienstag 16.03.2010
Am Samstag zeigten die Absolventen des Instituts Mode-Design der HGK Basel ihre Abschluss-Kollektionen. Wir haben im Vorfeld mit drei der 21 Jung-Designer gesprochen und sie zu ihrer Abschlussarbeit und den Zukunftsplänen befragt.
NIRIA FREY


Die 28-jährige Baslerin (unten, mit Mütze) zeigte eine tragbare und moderne Kollektion mit dem Titel "Saturnine by Newrea".
Was war deine Inspiration?
Ich hatte ein starkes Frauenbild im Kopf. Eine Heldin eines Computerspiels, das in einer düsteren Unterwelt spielt. Jedes Outfit steht für ein anderes Level in diesem Spiel. Die Heldin ist mal stärker, mal zerbrechlicher. So habe ich auch versucht, bei den Materialien mit diesen Gegensätzen zu spielen. Ich habe mir die Inspiration in dieser Fantasie-Welt geholt, aber ich wollte Kleider machen, die in der Realität funktionieren, also tragbar sind.
Wie sehen deine Zukunftspläne aus?
Ein Traum von mir wäre es, in Paris bei Lanvin zu arbeiten. Designer Alber Elbaz ist für mich der Meister der Drapierungen und ich würde gerne von ihm lernen. Aber auch ein Praktikum bei Gareth Pugh wäre toll. Ihm gelingt es immer wieder, eine Stimmungswelt zu erschaffen, die mir besonders gefällt.
MARTIN JASCUR


Der Designer mit slowakischen Wurzeln nannte seine Abschluss-Arbeit "1.13/16.13".
Deine Kollektion ist von der Jahrhundertwende inspiriert. Inwiefern ist sie trotzdem modern?
Erstens habe ich mit einer von mir entwickelten, mathematischen Formel gearbeitet, welche den Schnitt der Kleidungsstücke bestimmt. Zweitens gibt es die Möglichkeit, ein Basic-Teil mit zusätzlichen Elementen zu erweitern. So kann man beispielsweise am Tag nur das Basic tragen und für den Abend das Zusatzteil dazu nehmen. Diesen Gedanken find ich sehr modern. Ich war fasziniert von einem Nachthemd aus der Zeit um 1900. Es war so unglaublich üppig und detailreich verarbeitet. Ich wollte etwas ähnliches für den Tag machen, etwas, das gemütlich, aber gleichzeitig auch so wunderbar opulent ist. Mir ist bewusst, das meine Mode nicht jedermanns Sache ist.
Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
Ich plane ein eigenes Label zu gründen mit einer eher kleinen Kollektion, in einen familiären, sehr persönlichen Rahmen. Aber auch Stylings für Fotostrecken reizen mich.
VERENA ZELLER


Die Aargauerin Verena Zeller zeigte Kleider, die mit dem Gegensätzen von Gestern und Morgen spielen.
Was inspirierte dich zu deiner Kollektion?
Ich habe sie nach "Palmyre", einem französischen It-Girl aus den 20er-Jahren, benannt. Sie hatte immer die tollsten Kleider an und war ihrer Zeit voraus – wie auch meine Kollektion es auf ihre Art sein soll. Mich interessiert das Zusammentreffen von der Vergangenheit und der Zukunft. Bei dem grünen Blumenkleid zum Beispiel sind der Druck und der Stoff altbacken, durch den Schnitt wird es jedoch sehr modern. Die Form übersetzt es in die Zukunft. Auch die Bewegung der Kleider war mir wichtig. Jedes Kleid verändert sich, sobald die Trägerin in Bewegung ist.
Was machst du nach deinem Abschluss?
Ich würde mich gerne vertieft mit der theoretischen Recherche befassen. Auch für diese Kollektion habe ich im Vorfeld intensiv recherchiert. Vielleicht mache ich einen Master-Studiengang. Auf jeden Fall möchte ich für eine Zeit ins Ausland gehen, um auch ausserhalb der Schweiz Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln.
Ebenfalls zu unseren Favoriten zählten die Kreationen von MIRIAM NIEDERHÄUSER, YANA RYABENKAYA und THOMAS GYSLER:

Miriam Niederhäuser arbeitete mit handwerklicher Technik: Ihre Kleider überzeugten mit raffiniertem Strick.

Futuristisch und sehr modern waren die Kreationen von Yana Ryabenkaya. Die scharf geschnittenen Jacken und Mäntel erinnerten an Balenciaga.

Auch für die Männer gab es etwas zu sehen: Die schönste Herren-Kollektion zeigte Thomas Gysler.
(Alle Bilder: Boris Marberg, Wolfgang Woehrle, Shoji Fujii)
Die Kontakte zu den Designern sowie alle 21 Abschluss-Kollektionen unter web.fhnw.ch/hgk/imd/diplom//10/.
Montag 11.01.2010
Daniela Merz, Leiterin der Dock-Gruppe: “Es gibt immer wieder Chancen auf einen Wechsel. Für Männer wie für Frauen.” “Sozialfirmen” heisst das Buch von Daniela Merz und Lynn Blattmann, das in Zürich im Sachbuchverlag Rüffer & Rub vorgestellt wird. Wo? An der Konkordiastrasse 20, beim Römerhof. Wann? Am 19. Januar 2010, um 18.30 Uhr. In der neuesten Ausgabe von Style veröffentlichten wir ein Interview mit der 37-jährigen Leiterin der Dock-Gruppe, die rund 1000 ausgesteuerte Langzeitarbeitslose beschäftigt. Daniela Merz beantwortete 20 Fragen zur Zeit. Über Peter Noll, Falten, Skischule, Geduld, Respekt - und Zahnärzte. www.ruefferundrub.ch, www.dock-gruppe.ch. Anmeldung unter info@ruefferundrub.ch oder unter Telefon 044 381 77 30. Schweizer Illustrierte Style: Wie viel Zeit war nötig, um die Stiftung für Arbeit und die Dock-Gruppe aufzubauen? Daniela Merz: Wir sind im 13. Jahr, ich im achten. Ich stiess nach ein paar Jahren in einer Informatikbude zur Dock-Gruppe. Waren Sie je längere Zeit arbeitslos? Nein. Wie hoch war Ihr erster Stundenlohn? 25 Franken, als Pflegerin in einem Altersheim in Weinfelden. Ich war 16 und begleitete am Wochenende alte Menschen. Wie feierten Sie Ihren 20. Geburtstag? Gar nicht, ich war krank. Wann haben Sie letztmals geweint? Vor ein paar Wochen. Hat sich der Frust angestaut, plärre ich herzhaft drauflos. Welcher Gegenstand ist am längsten in Ihrem Besitz? Mein Taufketteli – ein Armbändchen mit eingraviertem Namen und Geburtsdatum. Wann stand Ihr Name erstmals in der Zeitung? Weniger mein Name als mein Bild, in der «Schweizer Familie»: Ich mit vier oder fünf in der Skischule Braunwald. Mit einem gestrickten Helm, etwas ganz Elendem. Wo verbrachten Sie Ihre letzten Ferien? Ferien? Was sind Ferien? Im Ernst: Im Herbst war ich mit Markus, meinem Mann, drei Tage in Budapest. Eine lässige Stadt! Welche Uhr tragen Sie? Eine IWC, Porsche-Design. Gekauft mit meinem ersten Lohn als Primarlehrerin. Sind Sie ein pünktlicher Mensch? Ja, plus/minus schon. Mein Mann würde zwar etwas anderes behaupten. Was schieben Sie auf die lange Bank? Nichts. Was ich nicht mag, erledige ich zügig, ich lasse nichts anbrennen. Welchen Moment würden Sie lieber nicht nochmals erleben? Keinen. Was man erlebte, definiert den Menschen ja. Ah, doch, den Zahnarzt! Vor dem habe ich immer grausam Angst. In welchem Alter fühlen oder fühlten Sie sich am wohlsten? Seit 34, 35. Der Stress, den ich mit 20 hatte, ist fort. Ich darf älter werden, darf Falten haben, und es ist gut, wie es ist. Was möchten Sie in Ihrem Leben noch erlernen oder erreichen? Geduld. Gibt es etwas, was Sie heute anders machen würden? Sicher. Ich habe Leute verletzt und Dinge gesagt … Es war nicht alles so gemütlich. Mit wem würden Sie gerne einen Tag verbringen? Mit Peter Noll, wenn er noch leben würde. Und eine Nacht? Mit Anne-Sophie Mutter. Sie müsste Geige spielen, und ich dürfte sagen, was. Wie alt möchten Sie werden? Ich habe keinen Wunsch. Bei der ersten Sterbebegleitung schlotterte ich vor Angst und wollte das Zimmer verlassen. Da sagte die Frau: «Schwöschterli, du bleibst hier. Wenn du leben kannst, kannst du auch sterben. Also bring das gefälligst hinter dich!» Sie starb ruhig. Woran krankt unsere Zeit? An Übergriffen, an Respektlosigkeit. Man erlaubt sich Urteile über den Freitod, über die Glaubensfreiheit. Das geht zu weit. Was schätzen Sie an unserer Zeit? Dass es immer wieder Chancen auf einen Wechsel gibt – für Männer wie für Frauen.
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