Von Phenomdens «Eiland» schwärmen wir im aktuellen Heft, «Undun» von The Roots und «Lioness: Hidden Treasures» von Amy Winehouse würdigen wir in der kommenden Ausgabe. Von Meat Loafs «Hell In A Handbasket» wollen wir gar nichts hören, weil das sowieso wieder «Bat Out Of Hell» klingt, und auch auf die alljährliche Queen-Best-of, diesmal unter dem Namen «40», können wir gerne verzichten. Und über Nightwish, Rammstein und Korn sprechen wir am Montag. Heute vergnügen wir uns ausschliesslich mit Live-Alben: Neue Musik zum Wochenende.
Text: Christian Hug
Gölä: «100% Mundart Stadion Thun» (TBA)
Er kann es also doch: Richtig rocken mit grosser Geste, sattem Sound und exzellenten Musikern. Gölä Superstar spielte erst vor ein paar Wochen im ausverkauften Stadion Thun, wo er sich per Helikopter einfliegen liess und mit einer neuen Band alte Songs (einen neuen Song spielt er mit Gast Florian Ast) mit viel Wucht präsentiert. Gölä ist sichtlich wohl bei diesem Heimspiel und huldigt seinen Fans so lange, bis man «der sit geili Sieche» nicht mehr hören mag. Ansonsten: Wir sind freudig überrascht. Auf der dazugehörenden DVD ist das Konzert in voller Länge zu sehen.
Tarja Turunen: «In Concert – Live At Sibelius Hall» (Phonag)
Es ist wohl kein Zufall, dass das neue Album der Ex-Sängerin von Nightwish zeitgleich mit dem neuen Nightwish-Album erscheint... Tarja Turunen, ausgebildete und international anerkannte Sopranistin, widmet sich hier klassischen geistlichen Liedern und lässt sich reduziert nur von Orgel, Gitarre und Perkussion begleiten. Finnische Lieder wie «Arkihuolesi kaikki heitä» (wir lieben den Klang der finnischen Sprache, auch wenn wir nichts verstehen), «Ave Maria» und «Stille Nacht» auf Finnisch («Jouluyö, juhlayö») stimmen auf die Adventszeit ein, und da passt «Walking In The Air» aus Nightwish-Zeiten prächtig dazu. Wer Nightwish mag, sollte mit Tarja nun den nächsten Schritt zur musikalischen Horizonterweiterung tun.
ZAZ: «Live Tour – Sans Tsu Tsou» (Sony)
Erst letztes Jahr erschien das Debüt der wunderbaren Sängerin aus Frankreich, und das wurde so erfolgreich, dass sie seither auf Tournee ist und vor ausverkauften Sälen spielt. Zu recht, denn Zaz belebt das französische Chanson und gibt ihm dir Frische und den Charme zurück. Das nun vorliegende Live-Album wurde im französischen Béthune aufgezeichnet und zeigt ZAZ von ihrer besten Seite. Ein Konzert in kleinem Rahmen, was eine intime Atmosphäre ermöglicht und in der sich ZAZ sehr wohl fühlt, auch wenn sie kaum zum Publikum spricht. Stört es uns da, dass auf der CD gleich 10 der 11 Songs vom Debüt zu hören sind und nur 5 neue Lieder? Nö. Auf der dazugehörenden DVD sind Mitschnitte aus verschiedenen Konzerten zu sehen, unter anderem von ihrem Auftritt am Paléo-Festival. Dieses Album erscheint übrigens erst nächste Woche.
Shakira: «Live From Paris» (Sony)
Die ganz grosse Kiste liefert uns Frau Ripoll aus Kolumbien, die gerne wie ein gefallenes Mädchen posiert. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Grossstadion in Paris bringt Shakira ihre Fans schon zum Kreischen, wenn sie mit einem Fächer wedelt, entsprechend sieht man auf der dazugehörenden DVD mit zwei Extra-Songs mehr Handys als Publikum. Gerne würden wir das Publikum auf der Audio-CD etwas weniger oft hören. Aber hey: Shakira rockt das Haus, die Songs sind kräftig mit Gitarren aufgemischt, und an ihrem besonders schlackernden Falsett erkennt man, dass Shakira ihren Fans alles gibt, was diese von ihr erwarten. Der Grösse des Konzertes entsprechend ist die DVD aufwändig gefilmt und geschnitten, dagegen erscheint die DVD von Gölä geradezu gemütlich. Einen besonderen Unterhaltungswert auf der DVD bietet die Flamenco-Einlage zum Stück «Gypsy»: Wie überspielt man, dass man nicht wirklich Flamenco tanzen kann? Antwort siehe ersten Satz.
Beyoncé: «Live At Roseland: The Elements Of 4» (Sony)
Keine Audio-CD, dafür eine Doppel-DVD offeriert uns Beyoncé zu Weihnachten. Mit Dauerwind in Haar und spärlichst bekleidet erzählt das Ex-Destiny’s-Child-Mitglied chronologisch von ihrem Werdegang («and then I tried again» usw.) vom Kinder- zum Superstar, zollt Tribut an Michael Jackson und Diana Ross, deren Grösse die Gattin von Jay-Z anstrebt, aber nicht ganz erreicht. Natürlich hagelt’s entsprechend Welthits, die Beyoncé souverän und mit gewohnt beeindruckend grosser Stimme vorträgt. Auch hier: Tausende von Handys beim Abwinken und grosse Gesten nach guter amerikanischer Unterhaltungstradition.
Ebenfalls heute erscheinen:
Hank Shizzoe: «Live At The Blue Rose Christmas Party 2010» (Blue Rose/Musikvertrieb): Hank feiert auf unverkennliche Shizzoe-Art Blues-Weihnachten.
The Cure: «Bestial – Live 2011» (Pias/Musikvertrieb): Herr Smith sucht das Glück – diesmal auf der Bühne.