Knackeboul ist mit «Moderator» (TBA) wieder rappend unterwegs, Locolove spielen auf «Coming Home» (Nation) radiotauglichen Pop, den The Bianca Story auf «Coming Home» (Irascible) mit etwas grösserer und witzigerer Geste spielen. Soviel zum Einstieg. Neue Musik zum Wochenende.
Text: Christian Hug
First Aid Kit: «The Lion’s Roar» (Pias/MV)
In ihren Videos tun die beiden schwedischen Schwestern Klara und Johanna Söderberg kaum mehr, als zu sitzen und zu singen. Aber das tun sie so herrlich, dass ihr Debüt-Album «The Big Black & The Blue» 2010 zu einer Art Untergrund-Hit wurde: klare, tragende Stimmen, schöne Duette, eingängige Lieder zwischen Folk und altem Schlager. Nun schieben die beiden neue Lieder nach, und natürlich sind auch diese wieder bezaubernd. Vor allem dann, wenn sie folkige Melodien aufgreifen und ihre Stimmen mit ein wenig Hall verstärken (letzteres ist durchgehend der Fall). Am 20. Februar spielen die Erste-Hilfe-Schwestern live im Mascotte in Zürich.
The Beauty of Gemina: «Iscariot Blues» (Universal)
Nachtrag von letzter Woche: Sie sind die Helden der Melancholie, auch wenn es nicht viel braucht, Held zu sein, weil es ausser Lacrimosa kaum veritable Konkurrenten gibt in der einheimischen Schwarzkittelszene. Mit ihrem neuen, vierten Album treffen die drei Freunde von Beauty of Gemina so präzise wie noch nie die Atmosphäre der Postpunk-Depro-Ära, die von Bands wie Sisters of Mercy, Cure, Echo and the Bunnymen oder Fields oft he Nephilim geprägt wurde. Das ist gut, sehr gut. Denn Beauty of Gemina kümmern sich in erster Linie um die Songs und nicht, wie leider weitverbreitet, um Kindergartenlyrik-Seelenschmerz.
Am 10. März feiern die drei Zürcher ihr neues Album mit einem Konzert im X-tra in Zürich, dann sind einige Konzerte im Ausland angesagt, unter anderem in Gent und Bochum.
Liz Green: «O, Devotion» (Musikvertrieb)
Wer First Aid Kit mag, mag auch Liz Green: Die englische Singer/Songwriterin ist tief im Blues verwurzelt, reduziert auf ihrem Debüt die Songs oft aufs Notwendige und bringt dafür allerlei Klimperinstrumente zum Einsatz. Erstaunlich bis irritierend ist Liz Greens kehlige Stimme, die gut trägt und klingt, als stecke ihr eine Kröte im Hals. Das führt bei Songs, die leicht swingen und scheppern, zum bemerkenswerten Effekt, dass sie klingen wie Originalaufnahmen aus den Dreissigern. Schönes Album für Liebhaber. Heute gastiert Liz live im Bad Bonn in Düdingen, morgen im Parterre in Basel.
Fox: «2012» (Sony)
Und wieder mal entspringt ein Spross aus dem Krokus-Firmament, diesmal mit Ex-Mitgliedern von Krokus, Kraak (Post-Krokus/Prä-Gotthard) und Treekillaz, angeführt von Mark Fox und betreut von Chris «der nu wieder» von Rohr. Entsprechend weiss man haargenau, was man kriegt: Oldschool-Rock aus den Siebzigern, ebenso gut gespielt wie antiquiert. Passt perfekt ins Repertoire des Labels Frontiers.
Stahlmann: «Quecksilber» (AM/Musikvertrieb)
Apropos Rock: Stahlmann aus Deutschland überraschten vor zwei Jahren angenehm mit ihrem selbstbetitelten Debüt: Da konnte wieder mal eine Deutsche-Härte-Band ernsthaft mit Rammstein verglichen werden. Der Nachfolger aber klingt nun plötzlich wie eine etwas griffigere Version von Unheilig mit entsprechend platter Gothik-Poesie und halbtanzbaren Elektro-Einschüben, kurz: handelsüblicher Gothic-Rock von der Stange, mässig spannend. Schade. Vielleicht müssen sich Stahlmann sogar den Vorwurf gefallen lassen, sich opportunistisch den Hitparade-Trends anzupassen.