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Samstag 17.04.2010
Auch gestern in der Blue-Note-Bar: Man hörte nur Gutes über die Konzerte der Stanser Musiktage. Bemerkenswert, dass viele Leute Konzerttickets kaufen von Bands, die sie gar nicht kennen: Sie verlassen sich auf die Veranstalter, die nur auserlesene Musiker nach Stans holen – und die Besucher sind durchweg begeistert. Auch von Kutti MC, der als Festival-Host die Konzerte auf seine schräg-lustige Weise ansagte bzw. anrappte und dies auch morgen und übermorgen noch tun wird. Hostet mit Hingabe und Hintersinn in breiter Berner Mundart: Kutti MC. Serge Businger, einheimischer Pianist, besuchte derweil wie jeden Tag ein paar Konzerte und fasste sie dann spielenderweise am Piano im Künstlerzelt zusammen. Da kommen Gäste und Musiker immer wieder ins Staunen und lancieren regelmässig Jamsessions. Heute Samstag spielen Justin Adams und Juldeh Camara im Kollegi-Saal: Ein ehemaliger Punkrocker aus England und ein Griot-Sänger aus Gambia. Da können wir uns wieder auf einige Überraschungen gefasst machen. Crossover: Juldeh Camara und Justin Adams. Foto pd Und heute ist auch der letzte Tag, an dem die beiden «SI Style»-Ladies Anita Lehmeier & Barbara Pastore höchstpersönlich in der Bluenote-Bar Whisky ausschenken werden. Also nichts wie hin! Im Theater an der Mürg gibt es mehr Mädels im Dienste der SMT zu sehen: die "Botschafterinnen" des Stanser Holzbildhauers Rochus Lussi (im Bild unten, Foto © André A. Niederberger) Morgen Sonntag wird um 16.30 Uhr das bulgarisch-mongolisch-französische Trio Violons Barbares das Abschlusskonzert der Stanser Musiktage bestreiten, traditionellerweise auf dem Gipfel des Stanserhorns. Das ganze Programm plus Infos Vorverkauf/Abendkasse: www.stansermusiktage.ch
Freitag 16.04.2010
Heute ist ein guter Tag für Musikfreunde: Neue Alben von Watershed, Velojet, Natalie Merchant, Taylor Hawkins und Napoleon Washington stehen ab heute in den Plattenläden. Ein paar Schmankerln wollen wir uns genauer anhören:
Text: Christian Hug
Kate Nash: «My Best Friend Is You» (Universal)
Apropos Marina: Wer Lilly Allen, Katy Perry und das Debütalbum «Made Of Bricks» von Kate Nash mochte, wird auch Nash’s Zweitling «My Best Friend Is You« mögen. So macht Pop Spass.
Xavier Rudd: «Koonyum Sun» (TBA/Phonag)
Mit «Dark Shade Of Blue» hat der australische Surfer vor zwei Jahren ein beeindruckend dichtes Album abgeliefert. Mit «Koonyum Sun» nimmt er alles ein bisschen leichter und tönt wie Paul Simon für Aborigines: Manchmal ein bisschen zu seicht.
The BossHoss: «Low Voltage» (Universal)
Schlacksig, sexy und stylish: The BossHoss sind die lustigste Countryband Deutschlands, weil sie sich selber nicht ganz ernst nehmen, aber sehr ernsthaft musizieren. «Low Voltage» ist eine Best of, für die sämtliche Songs mit einem Streichorchester neu eingespielt wurden. Wie gesagt: lustig!
Maris: «To Date With Faith» (Irascible)
Die Band um den Toggenburger Multiinstrumentalisten Joe Tschudi gewann den diesjährigen Musikwettbewerb Demotape Clinic und beweist nun mit ihrem Debütalbum «To Date With Faith», dass dieser Preis berechtigt war: Zarte, schöne, bezaubernde, feinfühlige, filigrane Songs zum Mitfühlen.
Freitag 16.04.2010
Gestern war an den Stanser Musiktagen die Nacht der gewichtigen Sätze: Pius Knüsel, Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia, bezeichnete in seiner Rede am Helfer-Apéro die Stanser Musiktage als «Urschweizer Kraftwerk». Christoph Rosset, Leiter des Hauptprogramms, über das Konzert des Imperial Tiger Orchestra im Chäslager: «Das war ein absolut grossartiges Konzert.» (Und das will was heissen, wenn er das sagt.) Fabian "Hefe" Christen, Leiter des Rahmenprogramms, über den Auftritt der Berner Nachwuchs-Rapperin Steff La Cheffe im enwee-Zelt: «Läck isch die guet, die cha öppis!» Ein Name, den man sich merken muss: Steff La Cheffe aus Bern. Foto © André A. Niederberger Die Sänger von Staff Benda Bilili (Bild unten) immer wieder während ihres hinreissend schönen Konzertes im Kollegi-Saal: «Staff Benda Bilili – très très fort!» Heute abend um 20 Uhr tritt Amparo Sanchez im Kollegi-Saal auf. Vor fünf Jahren spielte sie in Stans mit ihrer damaligen Band Amparanoia, jetzt ist sie solo unterwegs. Stimme, Charme und Melone: Amparo Sanchez. Foto: pd Und das Konzert von Analogik im Chäslager ist seit Wochen ausverkauft. Glücklich ist, wer Karten hat... Eine Auswahl von Food-Angeboten an den Food stalls beim Dorfplatz: Indisch, japanisch (Kaiten Sushis), mexikanisch, schweizerisch mit Fischchnusperli, Risotto mit Lughanche oder köstliche Crèpes. (Text Christian Hug/Anita Lehmeier) Das ganze Programm plus Infos Vorverkauf/Abendkasse: www.stansermusiktage.ch
Freitag 16.04.2010
Fast so schön wie ein Weekendtrip nach London, nur sehr viel günstiger, ist die Lektüre von Alain de Bottons neuem Buch AIRPORT. Der in der Schweiz geborene Autor verbrachte eine Woche als "writer in residence" auf dem Londoner Flughafen Heathrow im Terminal 5, sass wie ein Fels in der Brandung in den Strömen der Reisenden, ruhig inmitten von Bewegung und Zirkulation. Er erzählt uns verblüffende Geschichten von Begegnungen mit Reisenden und Werktätigen des Flughafens.
Flughäfen sind die Kathedralen unserer Gegenwart, zeitgenössische Tempel des Fernwehs, Katalysatoren der Sehnsucht. Nachts erstrahlen die Landebahnen bis ins Weltall. Die Terminals sind emotionsgeladene Orte von Abschied und Wiedersehen. Alain de Botton hat ganz genau hingesehen, beobachtet und nachgedacht. AIRPORT ist eine wunderbare Mischung aus Alltag, Philosophie und Reiseliteratur. Für einmal steht nicht das Ziel und auch nicht der Weg im Zentrum des Reisens, sondern der Ausgangsort. AIRPORT ist im Verlag S. Fischer erschienen und ab 12. April in der Buchhandlung Ihres Vertrauens zu haben.
Donnerstag 15.04.2010
Was vor vier Jahren an der EURO08 noch ein Geheimtip war, ist nun für die WM2010 das Mass aller Dinge: Tschuttiheftli, die künstlerische Alternative zu den Panini-Sammelbildli, bietet nun für Fussball-Fans 450 Bilder von 37 Illustratoren zu 32 Teams. Die Macher haben jetzt so manche Nachtschicht hinter sich, denn jedes Sammelbild-Paket wurde handverpackt, handgestempelt, handgeklebt und auf die Reise geschickt. Alles, wirklich alles über die Tschuttiheft gibts auf der lobenswert feinen Seite www.tschuttiheft.li Morgen, den 17. April, kommen die Hefte und Bildli auf den Markt, das Jagen und Sammeln geht los. Unser Lieblingshelgeli zeigen wir schon vorab...

Donnerstag 15.04.2010
Ungleiches Brüderpaar: der Soldat Tommy (Tobey Maguire) und der Ex-Knasti Sam (Jake Gyllenhaal). Filmstills © Ascot Elite
Wenn Hollywood Remakes von europäischen Filmen macht, kommt das nur selten gut. Neues Musterbeispiel einer geglückten Neuverfilmung ist BROTHERS von Regisseur Jim Sheridan ("My Left Foot", "The Boxer", beide mit Daniel Day Lewis), der auf dem dänischen Film "Brødre" von Susanne Bier und Anders Thomas Jensen basiert.
Erzählt wird die Geschichte der so grundverschiedenen Brüder Tommy und Sam - der erste ein glühender Patriot, Berufssoldat und Familienvater, der andere ein Tagedieb, Kleinkrimineller und einsamer Wolf. Als Tommy nach einem Helikopterabsturz in Afghanistan vermisst wird und als gefallen gilt, kümmert sich Sam um Tommys Ehefrau Grace (Natalie Portman, wie immer überragend) und die beiden kleinen Mädchen.
Sam ist der trauernden Grace eine grosse Hilfe, er kümmert sich um die Mädchen, er baut die Küche um und versucht zu helfen, wo er kann. Sam und Grace kommen sich emotional näher, mehr als einen Joint und einen Kuss teilen sie aber nicht. Als dann eines Tages der totgeglaubte Tommy heimkehrt, gerät die fragile Situation aus den Fugen. Denn Tommy trägt ein düsteres Geheimnis mit sich herum, die Umstände seiner "Rettung" von den Taliban plagt ihn bis an die Grenzen des Wahnsinns - und darüber hinaus.
BROTHERS ist sowohl ein Psychodrama, eine Familiengeschichte und ein Kriegsfilm. Es gibt ein paar sehr harte, unappetitliche Kampfszenen, doch rückt der Film die Verheerungen und die Verzweiflung der Daheimgebliebenen ins Zentrum. "War at home" (der Krieg zuhause) nennt sich dieses Genre. Die subtilen Ängste der Angehörigen darzustellen braucht es richtig gute Schauspieler. Regisseur Jim Sheridan hat mit Natalie Portman und Jake Gyllenhaal zwei der talentiertesten Darsteller ihrer Generation vor die Kamera geholt. Und Tobey Magiure gibt dem Horror im Kopf, der Post-Trauma-Psychose, ein glaubhaftes Gesicht. Der Spiderman-Darsteller bietet ein furiose Leistung, kaum einer hat den Durchgeknallten besser drauf als er. Noch ein grosser Name ist mit von der Partie: U2 schrieb exklusiv zwei Songs für den Film. BROTHERS startet heute in unseren Kinos!
Donnerstag 15.04.2010
Der Auftritt von Aurelio Martinez sorgte gestern trotz reduzierter Band für Beigeisterungsstürme – und die Leute im Publikum staunten nicht schlecht, als sie quasi als Entschädigung für die fehlenden Musiker einen Getränkebon erhielten.
Klang gestern wie ein ganzes Orchester: Bugge Wesseltoft
Auch wer das Konzert des norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft im Theater an der Mürg besuchte, wurde überrascht: In der Bluenote-Bar diskutierte man jedenfalls darüber, dass man sich auf ein ruhiges Piano-Solokonzert eingestellt hatte, aber Wesseltoft mit seinen Samplern getönt habe wie ein ganzes Orchester. Begeistert war man trotzdem.
Einzig Goldschmied Bruno, seit Jahren jeden Tag an den Stanser Musiktagen anzutreffen, war gestern etwas verwirrt: «Ich habe mir die Konzerte des Rahmenprogramms angehört», sagt er bei einem Glas 15-jährigem Coal Ila, «und alles klang irgendwie komisch.» Naja: Er wird’s heute noch mal versuchen.
Guter Wein, gute Musik: Der gestrige Auftritt von Contreband im Jazzpavillon.
Foto: André A. Niederberger
Heute spielt im Kollegisaal die kongolesische Band Staff Benda Bilili: Afro-Pop von Strassenmusikern in Rollstühlen. Das wird sicher heiter! (Text Christian Hug).
Das ganze Programm plus Infos Vorverkauf/Abendkasse: www.stansermusiktage.ch
Permanente und frei zugängliche Kunstprojekte heuer an den Stanser Musiktagen:
«Barformance» von Claudia und Christian Bucher in der Hörsehbar
«Botschafterinnen» von Rochus Lussi im Theater an der Mürg
«Anderwelten» von Charlotte Hug im Oberen Beinhaus
«Rock ‚n’ Roll Stills» von TJ Spool im Chäslager
Donnerstag 15.04.2010
Backstage: Sumoringer wärmt sich auf. © alle Fotos Andri Pol/SteidlVerlag
Wenn Andri Pol ein Land, seine Leute und ihr Gebaren in den Fokus nimmt, eröffnen sich dem Betrachter wahrlich neue Welten. In den Bildbänden FESTLAND und GRÜEZI führte uns der Fotograf mit dem präzisen und humorvollen Blick unsere schön-schräge Schweiz näher mit verblüffenden Bildern von Volksfesten und Alltagsmomenten. Im neuen Band WHERE IS JAPAN (erscheint im Steidl Verlag) zeigt uns der wohl beste Fotograf seiner Generation Ansichten und Einsichten über das Land des Lächelns. Vernissage ist am Donnerstag, den 22. April ab 19 Uhr im Papiersaal Rot der Sihlcity in Zürich.
Godzilla, gute Miene, schlechte Laune: Szene aus einem Freitzeitpark.
Seitenblick aufs Green vom Mann in Grau.
Andri Pols Buch WHERE IS JAPAN kann auch via Echtzeit Verlag (siehe "Befreundete Verlage") bezogen werden auf
www.echtzeit.ch/buecher.php?id=79
Seit kurzem bietet der Echtzeit Verlag aus Basel, eines der mutigsten, kreativsten und vielseitigsten Verlagshäuser des Landes, online Werke der im Verlag tätigen Künstler wie zum Beispiel Andri Pol zum Verkauf an unter www.echtzeit-bilder.ch
Mittwoch 14.04.2010
Ganz schön verwegen, wer seine Show so vollmundig anpreist. Wenn aber Rap-Poet Kutti MC alias Jürg Halter dahintersteckt, wissen wir, dass der Superlativ durchaus gerechtfertigt ist. Das köstliche Theater-Musik-Talk-Comedy-Parodie-Freestyle-Format startet Ende April in die zweite Staffel. Die "unglaublichste Talkshow der Welt" geht live über die Bühne des Südpol Luzern, dem heissesten Kulturplatz der Innerschweiz. Und macht aus kommunen Dienstagen Kuttikulttage. Also unbedingt freihalten, hingehen, lachen und staunen!!!
Am Dienstag, den 27. April empfängt Host Kutti MC Endo Anaconda, das Thema: Die Saga vom Dead End. Mit dabei: One-Woman-Band OY (Joy Frempong aus Züri).
Am Dienstag, den 11. Mai, ist Stephan Eicher Stargast, der Host wird mit dem sympathischen Musiker über Verschwörungstheorien reden. Als One-Woman-Band dabei: Anna Aaron aus Basel).
Am Dienstag, den 1. Juni, gibt es Bettina Oberli zu erleben, unsere Lieblingsregisseurin seit "Die Herbstzeitlosen" und "Tannöd". Mit ihr wird Kutti MC über den Aufstand der Pilze debattieren. Die One-Woman-Band: Evelinn Trouble aus Zürich.
Türöffnung: Jeweils um 19 Uhr, Show: 20.15 Uhr, Eintritt Fr. 25.-/20.-. Infos, Vorverkauf: www.sudpol.ch Mehr zum Host www.myspace.com/kuttimc
Was zum Geier geht nun wirklich ab in der "unglaublichsten Talkshow der Welt"? So eine Idee bekommt man auf dem Video mit Sophie Hunger, die letzten Dezember mit Kutti MC kollidierte:
Dienstag 13.04.2010
Panoramabild Dorfplatz, Klangschale für Weltmusik © André A. Niederberger Entspannte Stimmung gestern in der Bluenote-Bar am ersten Tag der Stanser Musiktage: Während aus den Boxen heiterer Swing aus den Sechzigern erklang, schwärmten die Gäste von den Konzerten: Dass Mélissa Laveaux «unglaublich schön» war, darüber sind sich alle einig, die ihren Auftritt sahen. Bloss auf die Frage, welche Art Musik sie macht, wusste niemand eine richtige Antwort. Haitianisch, irgendwie. Funky. Bluesig. Oder war es Soul? Genau das sind die Stanser Musiktage: Überraschungen aus dem Musikland, wo viele Einflüsse zu einem neuen Ganzen verschmelzen. Friedli & Fränz haben wieder Kaffe Schnaps auf der Bühne des enwee-Zeltes getrunken, und Hugo, seit Jahren Künstler-Chauffeur an den Musiktagen, war begeistert von Jane Waltons Auftritt im Weltmusikzelt: «Die spielt Sax, Trompete und Handorgel», staunte Hugo bei einem Glas Portwein nach Dienstschluss, «das war die totale Chilbi.» Nachts um eins, kurz vor Bar-Schluss, trudelte einer der Percussionisten von Novalima (Bild) mit hübscher Begleitung ins Zelt und fragte angeheitert, ob’s denn hier noch Rotwein gibt. Aber ja doch! Denn auch das sind die Stanser Musiktage: Die Künstler sind auch Teil des Publikums – und geniessen das sichtlich. «Unser Mann» jedenfalls schwärmte, dass er selten ein so wunderschönes Festival gesehen habe. Finden wir auch... (Text Anita Lehmeier/Christian Hug) Novalima spielen heute um 20 Uhr im Kollegisaal. Weitere Highlights: Glass Farm Ensemble um 19 Uhr im Chäslager Martin Zobel im Weltmusikzelt www.stansermusiktage.ch
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