Vivienne Westwood verpackt Frauen und Flaschen fein

Samstag 28.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

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Very british: die Gran old lady of fashion umhüllt mit Fantasie.

Für Frauen mit nonkonformistischem Modegeschmack und -mut sind die Kreationen von Vivienne Westwood, 71, Mutter des Glamour-Punk, Must haves. Nun kommt mit dem Gewand der Chivas-Regal-Whisky-Flasche etwas auf den Markt, das Männerherzen höher schlagen lässt. Die Seidenhülle des 18-jährigen Scotch lehnt in Farben und Motiv an den Union Jack, die britische Flagge, an. Die blaue Stoffrosette erinnert an den Schmuck auf den Kilts und verweist auf die schottischen Wurzeln der Marke Chivas.
Wie Westwoods Kleider hat auch die von ihr gestaltete Whisky-Flasche ihren Preis und Exklusivität: Lediglich 20 Exemplare sind in der Schweiz zu haben, bei Globus, ab Mitte Februar. Die Köstlichkeit kostet Fr. 399.–. Aber Mann gönnt sich ja sonst nix...

Nicht verpassen! "THE ARTIST", jetzt im Kino

Freitag 27.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

Plakat von The Artist

Wo Sie dieses Plakat sehen, da sind Sie im richtigen Kino! © Filmstills Praesens Films

Die Begeisterung ist gross und global: Der Film THE ARTIST wird von Publikum und Presse gleichsam bejubelt, und selbst die superpatriotische Hollywood-Academy nominiert die kleine französische Produktion für zehn Oscars, drei Globes haben die Macher schon bekommen.

Jean Dujardin und Bérénice Bejo

Folgen Sie der Einladung der Traumtänzer (Jean Dujardin und Bérénice Bejo). 

Der Schwarz-Weiss-Stummfilm ist das Kinoereignis der Saison, er feiert die Kinokunst der frühen, goldenen Jahre, als die Stars keine Worte brauchten, sie hatten Gesichter. So brachte das zumindest die grosse Gloria Swanson einst auf den Punkt. Botoxfreie - müsste man heute ergänzen.

Stummfilmstar George Valentin

Sein Stern ist im Sinken begriffen: Stummfilmstar George Valentin (Jean Dujardin).

Bérénice Bejo als Starlett Peppy Miller

Kucken Sie sich mal das Outfit an - WOW! Bérénice Bejo als Starlett Peppy Miller.

John Goodman

Freut sich wie ein Schneekönig: der Produzent Al Zimmer (John Goodman).

So viel Charme und Schmäh, Witz und Wärme, Frische und Fantasie gabs schon lange nicht mehr auf der Leinwand. THE ARTIST ist für Filmfans ein Must, und wer nur einmal pro Jahr ins Kino geht – jetzt ist der Moment gekommen, sich an der Kinokasse anzustellen - da kommt man jetzt nicht drumherum -  und sich von der Lichtspielkunst im dunklen Kinosaal verzaubern lassen.

Von Kunst- und Fehlgriffen

Freitag 27.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

Heidi Klum und Seal sind kein Paar mehr. Seals nächster Song wird wohl «Kiss From A Rosendorn» heissen. Und Göläs nächster Hit heisst «I ha di nümm gärn», weil er und Sibylle Marti, die sind ja jetzt auch getrennte Leute. Gölä und Seal können ab sofort die Frau Aniston anrufen, die soll ja worldsexyest, most intelligent und totally einsam sein. Wir besuchen derweil die «Bon Voyage»-Tournee von Anna Rossinelli (Daten auf www.annarossinellimusic.com/events) und geniessen: Neue Musik zum Wochenende.

Text: Christian Hug

Leonard Cohen 
Leonard Cohen: «Old Ideas» (Sony)
Wenn der grosse alte Mann ein neues Studio-Album veröffentlicht (nur 12 in 44 Jahren), zwingt uns Ehrfurcht in die Knie. Zu recht natürlich, auch wenn auf «Old Ideas» wie immer die Musik so gut wie keine Rolle spielt, weil sie nur der Klangteppich für Cohens tiefsinnig reflektierte Texte ist. Diesmal singt beziehungsweise brummelt der Meister vom Leben und dass dieses wohl bald zu Ende geht. «Old Ideas» führt uns nebenbei vor Augen, wie sehr wir im allgemeinen Pop-Trubel vergessen haben, auf die Texte zu achten. Oder weiss jemand, wovon Lady Gagas «Alejandro» handelt?

 

Lana del Rey 
Lana del Rey: «Born To Die» (Universal)
Ähnlichen Fragen wie Cohen geht die Frau nach, deren Debüt als the newest the hypest the freshest gehandelt wird, nur mit viel mehr Gelassenheit, Ironie, grosser Selbstinszenierung und noch grösseren Gesten www.lanadelrey.com . In der Tat ein grossartiges Album, eines, das Pop- und Gothic-Freunde genauso vereint wie Emo- und Singer/Songwriter-Anhänger. Lana bestätigt das Vorschlusslob, die sie mit 10 Millionen Klicks auf ihren Youtube-Clip «Video Games» erhalten hat, mühelos: schön, melancholisch, hinreissend und mit eindringlicher Stimme. Und ja: Da muss mindestens ein halber Liter Silikon in dieser Oberlippe sein... Jetzt ist übrigens der richtige Moment, auf das Album «Mirador» von Tarnation aus dem Jahre 1997 hinzuweisen.

 

Sean Paul 
Sean Paul: «Tomahawk Technique» (Warner)
Sean Paul war einst die internationale Speerspitze des Dancehall-Reggaes/Raggamuffin, sein 2005er-Album «The Trinity» war auf der Höhe der Kunst, sexy, slick und funky. Aber das hier? Herrje! Sean Paul biedert sich den Dancefloor-Trends an, wie ihn Black Eyed Peas und Lady Gaga zelebrieren: stumpf und konturlos vor sich hin treibende Tracks ohne Sinn und Verstand (wenn schon, dann müsste man das zur Kunst extrapolieren, wie das zum Beispiel Justice beherrschen oder LMFAO). Bis zum Song Nummer sieben müssen wir warten, bis Sean Paul seine alte Stärke aufblitzen lässt. Aber dann geht’s gleich wieder weiter mit lauwarmer Luft. Und überhaupt: Was soll diese peinliche neue Frisur?

 

Die Aeronauten 
Die Aeronauten: «Too Big To Fail» (Aeronauten)
Wir gratulieren herzlich: Die Aeronauten feiern ihr 20-Jahre-Jubiläum! Und schenken sich selber und der Welt keine Best-of (die hatten wir ja schon 2005), sondern ein neues Album, dafür ein doppeltes: 12 korrekte Aeronauten-Rumpelsongs auf der einen und 14 zauberhaft verspielte Instrumentals auf der anderen CD, zusammengefasst unter dem programmatischen, weil ironischen Titel «Too Big To Fail». Dass es diese Band nun schon so lange gibt, ist vor allem dem Aeronauten-Mastermind Olifr Guz Maurmann zu verdanken: Ein Maniac, der unbeirrt und in schon fast manischer Regelmässigkeit Songs schreibt, die die ganze Sache mit dem Leben und dem Weltschmerz nicht so ernst nehmen, dafür umso charmanter scheppern, rumpeln und kacheln. Für Aeronauten-Kenner ist dieses Werk also diskussionslos ein Muss. Für alle, die das knarrige Sextett noch nicht kennen: Reinhören! Zum Jubiläum ist die Band wieder mal auf grosser Tournee, Daten unter www.aeronauten.ch/html/konzerte.php

 

Professor Green 
Professor Green: «At Your Inconvenience» (EMI)
Fans haben das zweite Album des englischen Hip-Hop-Newcomers schon längst aus England importiert, wo «At Your Inconvenience» bereits Ende Oktober erschienen ist. Jetzt ist das Album offiziell auch bei uns erhältlich, und das zu unserer Freude: War das Debüt «Alive Till I’m Dead» noch weitestgehend amtlicher Rap, nähert sich der Professor nun offensiv dem Dubstep und dem Pop und öffnet sich so neue Räume, innerhalb derer er munter rumpröbelt und insbesondere bei den poppigen Tunes Gastsängerinnen zuzieht. Man kann dem Ganzen getrost auch Grime sagen, auch wenn die zweite Hälfte des Albums aus verhältnismässig ruhigen Tracks besteht. Durch die neue Bandbreite der Stile läuft Professor Green zwar Gefahr, den roten Faden zu verlieren, aber angesichts der meist starken Tracks wollen wir über diesen Makel hinwegsehen. Auch weil schon lange niemand mehr so augenzwinkernd nonchalant «Don’t Piss Me Off» gesagt hat.

Und noch ganz kurz:
Penelope Houston: «On Market Street» (Irascible) Folksängerin für Oldschool-Freunde.
Christina Perri: «Lovestrong» (Warner)The new Pop-Stern?
Gym Class Heroes: «The Papaercut Chronicles II» (Warner) Ami-Alternative mit Selbstironie.

Lesetipp: "Nathalie küsst"

Freitag 27.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

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David Foenkinos: NATHALIE KÜSST, C. H. Beck

Das erste, was bei dem französischen Autor David Foenkinos auffällt, sind die poetischen-witzigen Titel seiner Bücher, die im Verlag C. H. Beck kongenial übersetzt erscheinen: „Grösster anzunehmender Glücksfall“, „Unsere schönste Trennung“, „Das erotische Potenzial meiner Frau“. Bei „Nathalie küsst“, Foenkinos neuestem Werk, ist der Titel leider wenig originell herausgekommen, die Geschichte aber genau so hinreissend wie die früheren. David Foenkinos Liebesgeschichten schmecken so, als hätte man bei Nicholas Sparks Bestsellern den klebrigen rosa Zuckerguss weggelassen und dafür einen Hauch Bittermandel (Blues) und Buttercreme (Poesie) beigemischt.
Die Geschichte: François spricht Nathalie auf der Strasse an, sie gehen Kaffe trinken, verlieben sich heftig und werden beneidenswert glücklich. Sie sind happy ohne Ende. Dann stirbt François bei einem Unfall, Nathalie versinkt in einem Ozean der Trauer. Sie klebt an der Vergangenheit, an ihrer grossen Liebe. Die plumpen, peinlichen Avancen ihres Macho-Chefs stürzen sie noch tiefer ins Elend. Nur ihrem scheuen, unattraktiven Arbeitskollegen Markus gelingt es, sie wieder zum Lachen zu bringen, zum Leben zu bewegen.
Wenn man das Buch nach der letzten Seite zuklappt, seufzt man tief bewegt. Und in den Seiten hat es jede Menge Eselohren, weil Foenkinos Sätze gelingen, die man nie wieder vergessen möchte: „Durch seinen Tod war ihre Liebe auf dem damaligen Stand geblieben. François hatte sie in eine unveränderliche Ewigkeit gemeisselt.“ Oder: „Zwischen der Insel des Elends, auch die Insel der Versäumnisse genannt, und der in weiter Ferne liegenden Insel der Hoffnung verkehrt eine Fähre, das wusste er.“ „Sein Körper fühlte sich an wie eine zerstückelte Groteske, in jedem Gliedmass schlug ein Herz für sich.“ „Gemeinsam würden sie die Gebrauchsanweisung der Lieben von vorne studieren.“ Foenkinos findet Worte für Gefühle, traurige und freudige, die wir alle kennen, aber nie so ausdrücken könnten. Der Roman wurde übrigens von David Foenkinos' Bruder Stéphane verfilmt, mit Audrey Tautou als Nathalie. Leider kann der Film namens "La Délicatesse" nie in unsere Kinos. Macht nichts – das Buch ist eh besser!

Tickets zu gewinnen zu dem Biopic "J. EDGAR"

Dienstag 24.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

Gealtert und vergräzt: Leonardo DiCaprio als FBI-Boss J. Edgar Hoover.

Gealtert und vergräzt: Leonardo DiCaprio als FBI-Boss J. Edgar Hoover. c Filmstills 2012 Warner Bros. Ent.

Nein, das ist kein Irrtum unsererseits, das IST Leonardo DiCaprio, der vor 15 Jahren mit der untergehenden "Titanic" in der öffentlichen Wahrnehmung auftauchte. Da überstrahlte sein unverschämt gutes Aussehen sein überragendes Talent. Dieses blieb dem Kennerblick jedoch nicht lange verborgen, und bald tauschte Regie-Haudegen Martin Scorsese seinen langjährigen Stamm-Schauspieler Robert De Niro mit DiCaprio aus und liess Leo schwierige, komplexe Charaktere spielen, etwa in "Gangs of New York", "Departed", "Aviator" oder "Shutter Island".
In seinem aktuellen Film J. EDGAR nun agiert DiCaprio unter einem weiteren Altmeister, von Clint Eastwood, unserer leider nicht massgeblichen Meinung nach auf Oscar-Niveau - wo hat die Academy bloss hingeschaut, dass ihr DiCaprios grandiose Leistung entgangen ist?!? Er nicht für den Oscar nominiert wurde?!? Er spielt den kleingewachsenen Machtmenschen, vom jungen Heisssporn bis zum verbittert-welken Greis, mit Furor. Klar haben die Maskenbildner dick auftragen müssen, um Pretty Leo zum Giftzwerg zu machen, doch scheint unter dem Make up jederzeit DiCaprios meisterliche Mimik durch. 


Eitler Ehrgeizling: Der junge J. Edgar Hoover

Eitler Ehrgeizling: Der junge J. Edgar Hoover feilt an seinem Erscheinungsbild.

Vielleicht liegt seine Nicht-Nomination auch am Sujet: J. Edgar Hoover ist ein bad guy, in der kollektiven Erinnerung in den USA  ein rotes Tuch, eine Figur, die polarisiert. Ein Ekelpaket, zerfressen von Ehrgeiz und Geltungssucht, jedenfalls zeigen ihn der Schauspieler und sein Regisseur so. Und als Muttersöhnchen, der lange am Rockzipfel seiner starken Mama (brilliant wie immer: Judi Dench) hing.

Lehrt ihrem Sohn den Walzertakt: Mutter Hoover

Lehrt ihrem Sohn den Walzertakt: Mutter Hoover (Dame Judi Dench).

So sehr Hoover sein Image pflegte, so gern er in der Intimsphäre von allen und jedem rumschnüffelte, so rigide hielt er sein Privatleben unter Verschluss. Für viele sicher ein Schock im Film zu erfahren, dass der FBI-Gründer und langjähriger Boss (er überlebte acht Präsidenten!) verkappt schwul war. Sein engster Mitarbeiter und FBI-Stellvertreter Clyde Tolson (Armie Hammer) war auch privat sein Weggefährte.

Seinem Chef und Partner treu ergeben: Clyde Tolson

Seinem Chef und Partner treu ergeben: Clyde Tolson (Armie Hammer).

Frauen spielten in Hoovers Leben dennoch eine wichtige Rolle: Neben seiner dominaten Mutter vertraute der FBI-Gründer und Kommunisten-Hetzer Hoover  nur Helen Gandy (Naomi Watts). Nachdem die Schreibkraft Hoover überstürzten Heiratsantrag abgelehnt hat, bleibt sie zeitlebens seine Sekretärin.

Hoovers Sekretärin Helen Gandi (Naomi Watts).

Loyal bis zum Schluss: Hoovers Sekretärin Helen Gandi (Naomi Watts).

Leonardo DiCaprio diskutiert mit Regisseur Clint Eastwood

Hinter der Kamera: Leonardo DiCaprio diskutiert mit Regisseur Clint Eastwood das Drehbuch von Dustin Lance Black ("Milk").

Wer den Film noch nicht gesehen hat - oder ihn nochmals sehen will, hat Chancen auf Gratistickets: Warner Bros und SI Style verlosen 3 x 2 Ticktets für das Meisterwerk von Biopic. Füllen Sie den Talon aus bis zum 6. Februar - und mit etwas Glück erleben Sie eine Lektion in moderner Geschichte, die packender nicht sein kann. Lassen Sie sich von einem postmodernen Mephisto fesseln, der für Ruhm und Grösse alles opferte.



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Woody Allens Barcelona-Band spielt in Stans

Dienstag 24.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

Giulia y los Tellerani spielen in Stans

Lieferten den Soundtrack zu Woody Allens Filmen "Vicky Cristian Barcelona" und "You will meet a tall dark stranger": Giulia y los Tellarini

Die vielköpfige Band aus Barcelona sorgten letzten Mai an den Filmfestspielen in Cannes für Aufsehen bzw. Aufhorchen. Die bunte katalanische Combo ist seit der Zusammenarbeit mit Woody Allen weit über Musikerkreise hinaus bekannt geworden. Am kommenden Samstag, den 28. 1. wagen sich Giulia y los Tellarini aus mediterranen Gefilden ins Winterland Schweiz und spielen im Kollegium St. Fidelis in Stans, Vorverkauf www.starticket.ch 
Bevor die Spanier loslegen gehts schon musikalisch zu: Es wird ab 19.30 Uhr das Programm der nächsten Stanser Musiktage verkündet, die vom 15. bis 21. April die grosse weite (Klang-)Welt ins Winkelried-Dorf bringen. Für einzelne Konzerte hat der Vorverkauf bereits begonnen, Infos und Tickets auf www.stansermusiktage.ch

Buchtipp: "Aufgetischt" macht Lust auf Gäste

Dienstag 24.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

Aufgetischt von Christoph Bürge

Aufgetischt - Einfache Menüs für anspruchsvolle Gäste, Christoph Bürge, AT-Verlag, Fr. 58.-.

AUFGETISCHT gehört zu der Art von Kochbüchern, die nicht nur unseren Appetit anregen, sondern auch unsere Lust auf Gäste. Viele Gäste. Einen ganzen langen Tisch voller Geniesser. So wie das Werber und Hobbykoch Christoph Bürge in seinem köstlichen Kochbuch AUFGETISCHT vormacht. Das Spezielle an dem sorgfältig gestalteten und gedruckten Buch sind nämlich die Tafelrunden, die Bürge bekocht.

Der Hurricans North Motocycle Club haut eine Grillplatt rein

Der Hurricans North Motocycle Club haut eine Grillplatt rein. © Fotografie Jonathan Heyer, AT-Verlag

Die Models knabbern an grünen Spargeln mit Ricotta, Pouletflügeli und nippen kalte Erbsensuppe.

Die Models knabbern an grünen Spargeln mit Ricotta, Pouletflügeli und nippen kalte Erbsensuppe.

Die Kids der Kita X in Herrlibergmachen sich über Fleischbällchen, home-made-Fischstäbli, Spaghetti bolo und Schoggibomben her.

Die Kids der Kita X in Herrliberg machen sich über Fleischbällchen, home-made-Fischstäbli, Spaghetti bolo und Schoggibomben her.

Wie einst beim Abendmahl versammelt der Autor ein knappes Dutzend Leute mit gemeinsamen Interessen im passenden Rahmen: eine Motorradgang in einer Werkstatt, eine Gruppe Bauarbeiter in einem Rohbau, einen Trachtenverein im getäferten Stübli, eine Rasselbande Dreikäsehochs im Spielzimmer, einen Stosstrupp Waidmänner vor der Jagdhütte, eine Gruppe Models im Fotostudio oder Mönche im Refektorium. All diesen Gruppen tischt Bürge ein massgeschneidertes, viergängiges Menü auf und liefert uns die Rezepte dazu. Und wie wir das bei Kochbüchern aus dem AT-Verlag erwarten und auch bekommen, ist AUFGETISCHT elegant gestaltet, die Bilder (Fotos Jonathan Heyer) sorgsam arrangiert, die Teller appetitlich inszeniert (Styling Christian Splettstösser) und die Rezepte hieb- und stichfest erläutert. www.at-verlag.ch

Mit Werner Herzog in die Kathedrale der Steinzeit

Mittwoch 18.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

HöhleBilder

320'000 Jahre alte Malereien in der Chavet-Höhle in Südfrankreich.© Filmstills Ascot Elite

Der deutsche Filmemacher Werner Herzog („Fitzgerraldo“, „Nosferatu“ „Aguirre – der Zorn Gottes“) entführt uns mit seinem neuesten Werk an einen Ort, den nur eine Handvoll Menschen gesehen haben: die Chauvet-Höhlen im Flussstal der Ardèche in Südfrankreich. DIE HÖHLE DER VERGESSENEN TRÄUME, so der poetische Titel des Dok-Films über ein Höhlensystem, welches durch einen Felssturz 22'000 Jahre verschlossen war. Eine Gruppe von Forschern entdeckte die Höhlen 1994 und fand im Innern über 400 perfekt erhaltene Malereien, die sagenhafte 32'000 Jahre alt sind. Diese teils monumentalen Tierbilder revidieren unsere Klischéevorstellungen von Neandertalern aufs Feinste: Unsere jagenden Vorfahren waren nicht die primitiven, keulenschwingenden Totschläger, als die wir sie imaginieren, sondern scharfe Beobachter ihrer Umwelt, Künstler, deren Werke eine ungeheure Faszination ausstrahlen, spirituelle Menschen, die möglicherweise Rituale in der Höhle abhielten und sich berauschten.

HöhleFilmen

Schwierige Dreharbeiten auf dem Laufsteg.

Herzog war es erlaubt, in der Höhle zu filmen. Und Herzog wäre nicht Herzog, wenn er sich diese Aufgabe leicht gemacht hätte. Er wollte seine Eindrücke aus dieser Kathedrale der Steinzeit möglichst echt auf die Leinwand bringen und liess eigens ein neues 3-D-Kamerasystem entwickeln, das ihm erlaubte, auch auf engstem Raum zu filmen. In der Höhle darf man lediglich auf einem schmalen, metallenes Laufgitter gehen und stehen. Wer nicht unter Platzangst leidet, wird mit einem wahrlich exklusiven Trip zu einem Naturwunder und den Anfängen menschlichen Kunstschaffens belohnt. Ein 3-D-Erlebnis der unvergesslichen Art. Hingehen und staunen!

Buchtipp: Reisen für Sofa-Surfer

Mittwoch 18.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier

Reisen hinter den Horizont, Parthas Verlag, Berlin

Reisen hinter den Horizont, Parthas Verlag, Berlin.

Einst war die Welt gross und weit, das Reisen gefährlich, die Landkarten voller weisse Flecken, terra incognita. Die weissen Flecken sind heute mit Wissen ausgefüllt, kaum ein Eckchen der Erde, das wir Menschen nicht schon betreten, erforscht, vermessen und „erobert“ haben. Wir reisen eben mal schnell pauschal an den Nordpol, in die Urwälder von Papua-Neuguinea, auf Himalaya-Gipfel, zu den Maya-Ruinen oder nach Ulan Bator.

Doppelseite zu Heinrich Barth.

Doppelseite zu Heinrich Barth.

Der prächtige Bildband „Reisen hinter den Horizont. Die grossen Entdecker“ aus dem Berliner Pathas Verlag dreht die Zeit zurück in die Ära, als neugierige Frauen und beherzte Männer aufbrachen ins Unbekannte und wissen wollten, wie es hinter dem Horizont weitergeht.

Zeitgenössische Illustrationen ergänzen den Text.

Zeitgenössische Illustrationen ergänzen den Text.

In sieben Kapiteln reist man da in den Fusstapfen von 40 Abenteurern durch Wüsten und Wildnis, über Berge und Ozeane, durch die Lüfte und in die Tiefen der Abysale und des Alls. Wir segeln mit Columbus und Magellan über die Meere, treffen Stanley und Livingston im afrikanischen Urwald, trekken mit Mungo Parks (der aus T. C. Boyles „Wassermusik“) dem Niger entlang, frieren mit Nansen und Amundsen im ewigen Eis, queren mit Barth die Sahara, tauchen mit Cousteau ins Big Blue und heben ab mit Gagarin ins All. Die Texte sind so, wie man sich spannende, erhellende Reisereportagen heute wünscht, sorgsam ausgewählte Karten, Illustrationen, Fotos von anno dazumal sowie ein Register machen den Band zu weit mehr als einem Coffee table book.

Es geht weiter: Neue Musik zum Wochenende

Freitag 13.01.2012
Redaktion Anita Lehmeier


 

Wenn du nicht weisst, was es ist, dann ist es Jazz, dachte sich das Trio Zürihorn und kombiniert auf «Wanderlust» (Unit/Musikvertrieb) Alphorn mit Didgeridoo. Und wenn es bedrohlich klingt, dann ist es Trent Reznor, der zusammen mit Atticus Ross den Soundtrack zu «The Girl With The Dragon Tattoo» (Mute/Musikvertrieb) veröffentlicht mit dem coolen Remix von Led Zeps «Immigrant Song». Wir sehen: Das neue Musikjahr hat begonnen, wir freuen uns! Neue Musik zum Wochenende.

 

Text: Christian Hug

Marsimoto Temple Of Speed

Marsimoto: «Grüner Samt» (Sony)
Temple Of Speed: «10 Tracks Volume II» (Sterneismusik/Bakara/Nation)
Hip Hop: Martin Laciny aka Marteria aka Marsimoto hat sich wieder die grüne Maske aufgesetzt und bespricht mit hochgepitchter Stimme den Sinn des Lebens rund um die Häuser Deutschlands. Das Alter Ego von Marteria spielt dabei wieder mit kühlem Downtempo-Minimalismus und dicken Bässen, während seine Worte poetisch in den Rhythmus eingebettet sind. Klingt wie Kraftwerk meets Fischmob mit der geistigen Haltung von Kinderzimmer Productions. Das ist zwar inzwischen nicht mehr bahnbrechend, aber erfrischend eigenwillig und souverän. Schönes Detail: das in grünem Samt gehaltene Artwork.
Derweil verfolgen Tinguely dä Chnächt, Skor und Sterneis ihre Idee weiter, (Mundart-)Rap zu seinem Ursprung zurückzuführen, indem sie innert weniger Tage im Sinne einer Jam-Session zehn Tracks einspielen (daher der Bandname), die von der Kraft routinierter Spontanität getragen sind. Man könnte sagen: Scripted Freestyle. Für die zweite Runde hat das Trio den Zürcher Altmeister EKR ins Studio geholt, es ist «dune mit em King»: Er gibt den neuen Tracks mehr Weite und Grösse, der DJ und die drei Rapper harmonieren wunderbar. Und die erneut oft eingestreuten Samplings aus dummbatzigen Talkshows geben dem Album eine sozialkritisch-lakonische Note. Wir freuen uns auf Teil 3.

 

The Little Willies Lindi Ortega

 

Little Willies: «For The Good Times» (EMI)
Lindi Ortega: «Little Red Boots» (Last Gang/Limmat)
Country: Schön, wenn man Freunde hat, Country und insbesondere Willie Nelson mag, gerne in Bars spielt, aus New York stammt und eine von den Freunden Norah Jones heisst. So ist den Little Willies die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. Auch auf ihrem zweiten Album spielen die fünf Freunde klassischen amerikanischen Country von Loretta Lynn über Kris Kristofferson und Willie Nelson bis Dolly Parton und Johnny Cash. Perlt heiter vor sich hin und stellt keinerlei Ansprüche an Nachhaltigkeit: Eine angenehm anzuhörende Fingerübung.
Derweil die Kanadierin Lindi Ortega endlich ihr Debütalbum veröffentlicht, nachdem sie Brandon Flowers supportet und im Chor von Kevin Costner gesungen hat und nun ihr Markenzeichen gleich als Albumtitel wählt, damit man sie schnell wiedererkennt. Letzteres wäre nicht nötig: Lindi klingt wie eine Mischung aus Dolly Parton und Sheryl Crow, beide zu Anfangszeiten, mit einem Schuss Oldschool-Rockabilly, klarer Stimme und viel Charme. Da kommt man doch glatt ins Mitwippen, so erfrischend klingen die 12 Tracks. Ihr einziges Schweizer Konzertgibt sie übrigens am 28. Februar im Zürcher Mascotte. Das schauen wir uns gerne an.

 

TrailertrashTracy 
Trailer Trash Tracy: «Ester» (Musikvertrieb)
Da jubeln wieder mal alle gemeinsam: Das Quartett aus London mit dem eigenartigen Namen erntet viel Lob von Publikum und Presse für ihre abgehobene, sanft mäandernde Musik, die zu luzid vor sich hin schwebt, um als Pop durchzugehen, und zu melodiös ist, um als Avantgarde zu gelten. Und abgesehen davon auch von zu vielen Quellen Inspiration anzapft. Shoegaze nennt sich dieses Genre, das zwischen Postpunkt-Depro und Prä-Pop-Emo angesiedelt ist. So in etwa. Wir schliessen uns der allgemeinen Begeisterung an.

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