Die neue von Stress ist langweilig imfall. Ha ha, das war jetzt ein ganz übler Scherz. Aber Melanie beiseite: «Renaissance II» (Universal) erscheint heute. Wäre Melanie noch an seiner Seite, sie würde «Hooray Hooray, Hey Yo! Ich will dein Pirat sein» frohlocken wie Jürgen Drews auf seinem heute erscheinenden Album «Schlagerpirat» (Universal). Aber das schlagen wir uns mal aus dem Kopf. Wusste übrigens jemand, dass Tsinar heute das Album «Relaxing Music For Dogs» (Heeb) veröffentlicht? Das ist (Zitat) «Musik und Naturgeräusche, die den Hund beruhigen, Hyperaktivität kontrollieren und einen Mangel an Geselligkeit kompensieren.» Herrje! Neue Musik zum Wochenende.
Text: Christian Hug
James Asher: «Return Of The Tiger» (New Earth/Heeb)
Nach dem vielen Heavy Metal von letzter Woche gönnen wir uns erstmal ein bisschen Erholung und schauen uns in der Esoterik-Ecke um. Da erfreut uns James Asher mit der Weiterführung seiner Tiger-Alben: Von all den Trommler-Bands von Kodo über Farafina bis Zaka Percussion ist Asher nicht nur der vielschichtigste, sondern dank sehr präzisen und basslastigen Keyboard-Fundamenten und Didgeridoo der eigenwilligste und für ungeübte Ohren zugänglichste: Seine ruhigeren Stücke sind angenehm zu hören. In den schnelleren Tracks aber entwickelt er Schub und Druck, da kann man nicht mehr ruhig sitzen. Das ist, wenn man so will, Bio-Goa-Trance, grossartig und jedem Technohead als Horizonterweiterung zu empfehlen. Man kann dazu auch allerlei tantrische Tänze tanzen.
Chinmaya Dunster: «Gaia’s Garden» (New Earth/Heeb)
Chinmaya ist einer der Vielproduzierer der Esoterik/New-Age-Szene (darf man heute noch New Age sagen?) und macht in der Regel gefällige Instrumentaltracks, die manchmal etwas oberflächlich, manchmal aber auch sehr anmutig sind, thematisch relativ ungeordnet von Yoga über Indien bis Vollmond. Nun vertont er den Garten der griechischen Göttin der Erde, und das klingt natürlich wieder sehr gefällig wie gute Lounge-Musik. Sonderbar ist Chinmayas steter Vorwärtsdrang, sein immerzu leicht überhöhtes Tempo das der in diesem Genre angestrebten Entspannung im Grunde zuwiderläuft: «Gaia’s Garden» klingt wie Lounge-Musik für den Beginn eines aufregenden Samstagabends. Immerhin ist es organische Lounge-Musik ohne das übliche dröge Synthiegedudel.
Wers konkret spirituell und beruhigend mag, dem sei empfohlen: Maitri: «Boundless Ocean» (Yogipress/Heeb).

Cali P: «Unstoppable» (Nation)
Der schweizerisch/guadeloupische Reggae-Sänger verlegt sich mit seinem zweiten Album auf eine Mischung aus Dancehall und R&B. Das ist als Idee durchaus ernst zu nehmen. In der Ausführung aber haperts enorm: Erstens sollte Dancehall so zügig, zickig und zackig sein, dass man nicht stillsitzen kann (darum heisst es ja Dancehall). Zweitens sollte R&B in seiner Reduziertheit Spannung erzeugen. Beides schafft Cali P nicht: Die Tracks pendeln engagiert, aber ohne Feuer und ohne Grösse in der Bedeutungslosigkeit.
Peter Gabriel «New Blood» (EMI)Gabriel ist wie immer gut im Schuss: Letztes Jahr hat er auf «Scratch My Back» Songs von Bon Iver bis Talking Heads orchestral gecovert, und das klang grossartig. Warum also, so dachte sich Gabriel, nicht auch eigene Songs neu bearbeiten, wo doch die Zusammenarbeit mit John Metcalfe so wunderbar funktioniert hat? Mit dem 46-köpfigen New Blood Orchestra unter der Leitung von Ben Foster hat er deshalb eigene Songs wie «Rhythm Of The Heat», «Digging The Dirt» und «Don’t Give Up» (diesmal nicht mit Kate Bush, sondern mit Ane Brun) komplett umarrangiert: Auf die Essenz einreduziert, entsprechend präzise instrumentiert und ausdrucksstark wiedergegeben. Gabriel ist und bleibt ein Mastermind. Und er beweist Grösse, weil er aus diesem Album keine «Best-of reinterpretiert» macht, sondern sich der Songs annimmt, die ihm persönlich am Herzen liegen: Songs wie «Sledgehammer» und «Big Time» sucht man hier vergebens. In der Special-Edition gibt’s die 14 Songs auf der Bonus-CD auch als Instrumentals zu hören.
Evanescence: «Evanescence» (EMI)
Geschlagene fünf Jahre haben Evanescence-Fans warten müssen auf den Nachfolger von «The Open Door», weil es wieder mal Personalwechsel und allerlei andere Komplikationen und Animositäten gab. Nun hat sich die Band um Sängerin Amy Lee neu definiert und nennt darum ihr drittes Album nach sich selber. Aber hat sich das Warten gelohnt? Jein: Einerseits werden Emos und Freunde des epischdunklen Mittelschwermetals durchaus in ihren Erwartungen bedient. Anderseits plärrt Ami ein bisschen zu oft. Und wie schon bei den Alben vorher macht sich auch diesmal das beklemmende Gefühl breit, dass Evanescence mehr draufhätten, dass ihre Songs cleverer sein könnten, ausgefeilter und sogar ein bisschen genial. Aber irgendwie dröselt auch «Evanescence» mehr vor sich hin, als dass es grosse Momente entwickeln würde.