Natürlich gehen ab 30 Grad Celsius in der Badi die Schmöcker mit den munterbunten Einbänden, diese papierenen Pendants zu Wasserglacé, gut runter. Zu finden sind diese sommerlichen Leichtgewichte in jeder Buchhandlung im Bestseller-Regal. Darum unsere Empfehlung aus der belletristischen Doppelrahm-Glacé-Abteilung: zweimal Lesefutter der nahrhaften und nachhaltigen Art.
DER ERSTLING: Den Namen Dorothee Elmiger muss man sich merken. Die in Wetzikon geborene und im Appenzell aufgewachsene 25-Jährige sorgte mit ihrem Erstling beim Klagenfurter Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis für Aufsehen, sie schaffte es auf den zweiten Platz. Vor Wochenfrist ist nun ihr Roman EINLADUNG AN DIE WAGHALSIGEN erschienen, im renommierten Verlag DuMont.
Die Wahlberlinerin (sie studiert an der Freien Universität Politikwissenschaft, nachdem sie als Jüngste den ersten Lehrgang des Schweizerischen Literaturinstitutes in Biel angeschlossen hat) zieht die Bezeichnung Textsammlung vor. Diese umfasst gerade mal 143 Seiten, auf denen oft nur wenige Sätze stehen.
Die Geschichte handelt von zwei Schwestern, Margarete und Fritzi Stein, die in einem verlassenen Landstrich einen verschwundenen Fluss suchen. Neben ein paar gelangweilten Polizisten sind sie fast die einzigen, die im Kaff im Kohlerevier ausharren, unter dem seit Jahrzehnten Brände schwelen und lodern und die Gegend in eine wüste, apokalyptische Ödnis voll schwarzen Rauches und Giftgase verwandeln. Hört sich deprimierend an, aber dank Elmigers unaufgeregt knapper Sprache, der kunstvollen Collagentechnik und den Zitaten aus der Weltliteratur wird die Lektüre zum Vergnügen für Gernleser. So gesehen ist der Buchtitel auch eine Einladung an Wagemutige, sich auf eine junge Literatin, ihre Sprache und ihre Weltsicht einzulassen.
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DER KLASSIKER: Emmanuel Bove (1898-1945) führte ein aufreibend-aufregendes Leben: Der Sohn eines russischen Lebemanns und eines luxemburgischen Dienstmädchen, schlug sich schlecht und recht in allerlei Berufen durch, ehe er zur Schriftstellerei fand. Heute gilt Bove als Klassiker der französischen Literatur.
Boves Schlüsselwerk, SCHULD, erschien 1931, jetzt liegt der kleine grosse Roman erstmals in Deutsch vor, vom Verlag Lilienfeld. Darin zeichnet der Autor in düsteren Farben und beinahe expressionistischer Sprache die Suche zweier einsamer Seelen nach dem Glück. "Da das Glück nun mal nicht zu uns kommt, müssen wir ihm entgegengehen. Was bleibt Unglücklichen wie uns anderes übrig, als voranzugehen in der Hoffnung, dass uns etwas Neues passiert?" So lockt Pierre, ein armer Schlucker, seine Freundin Violette auf die nächtlichen Strassen von Paris, auf der Suche nach Gesellschaft, Wärme und Glück. Das elegant aufgemachte Buch passt bestens in jede Badetasche, und in der heiteren Kulisse einer Badi geht der nicht eben leichte Stoff um Schuld und Sühne leicht runter.