Manche Perlen funkeln schön, doch sind sie aus Glas, und manchmal entpuppt sich ein unscheinbarer Stein als wahrer Diamant. So etwa könnte man die Auswahl der heute erscheinenden neuen Alben zusammenfassen. Aber lest selbst.
Text: Christian Hug

Kylie Minogue: «Aphrodite» (EMI)
Insgesamt 14 Produzenten und 27 Autoren haben an Kylies Studioalbum Nummer 11 rumgewerkelt: Erstaunlich, dass es so homogen herausgekommen ist. «Aphrodite» ist 12 Mal blankgeputzte Discomusik, die in ihren besten Momenten irgendwo zwischen Madonnas «American Life» und «Confessions On A Dancefloor» liegt – nur dass Kylie im Vergleich zu Frau Ciccone das Quäntchen Eigenständigkeit und Biss fehlt, die «Aphrodite» so richtig knackig machen würden. Das war auf dem Vorgängeralbum «X» deutlicher spürbar. Immerhin: Kylie lässt sich in keiner Form vom lästigen Lady-Gaga-Boom irritieren.
2raumwohnung: «Lasso Remixe» (EMI)
Inga Humpe hat definitiv die schönste, berührendste Popstimme Deutschlands, und ihr Lebenspartner Tommi Eckart weiss, wie man zu dieser Stimme die richtige Musik unterlegt. Längst sind auch die Remix-Versionen von ganzen Alben fast so wichtig wie die regulären Pop-Alben, und so ist es nur logisch, dass auch «Lasso» vom letzten Jahr neu interpretiert wird: minimalistisch technoid mit wenig Stimme und leider oft ein bisschen eintönig – Kalkbrenner, der «Wir werden sehn» bearbeitet, lässt grüssen. Die Monotonie verstärkt sich durch den Umstand, dass viele Remixe bis zu 9 Minuten dauern. Aber macht nichts: Das nächste Album wird wieder schöner Pop sein.
Laurie Anderson: «Homeland» (Warner)
Eben gab die Performance-Ikone aus New York in Sydney ein Konzert für Hunde, jetzt erfreut sie die Welt mit einem neuen Album. Neun Jahre nach «Life On A String» klingt Laurie so ausserirdisch schwebend, leichtfüssig und trotzdem komplex wie eh und je, wiederum reflektiert sie ironisch-zynisch den American Way of Life, kurz: Laurie bleibt einzigartig, Laurie bleibt grosse Kunst!
Bernhard: «Nordsüdostwest» (Musikvertrieb)
Patrick Bernhard hat den ewigen Bestseller «Ewigi Liebi» geschrieben – und sich mit seiner damaligen Gruppe Mash nie mehr richtig davon erholt. Folgerichtig hat sich Bernhard lange Jahre Zeit genommen, um sich musikalisch neu zu definieren. Das macht er jetzt endlich mit einer nach ihm benannten Band. «Nordsüdostwest» brilliert nicht durch geniales Songwriting, die Produktion könnte besser sein, und auch die Melodien sind nicht wirklich brillant. Aber: Bernhard ist gutschweizerisches, solides Mundart-Handwerk, dessen zwingende Dichte sich durch die guten Texte ergeben. Vordergründig ist das Album unspektakulär, hintergründig aber entfaltet es sich schön.