Kein Mensch verspürt heute, da der Frühling endlich ausbrochen ist, Lust auf Kino. Doch schon am Wochenende zeigt sich das Wetter von seiner garstigen Seite, der Winter kehrt nochmals zurück. Als heiterer Seelenwärmer bietet sich der Film ZWERGE SPRENGEN von Christof Schertenleib ("Tatort - Chaos", "Liebe Lügen") an. Die einzigen, dies wohl nicht lustig finden, sind die kitschig-bunten Männchen in den Zipfelmützen, die in helvetischen Gärten ihr Habitat haben, nämlich Gartenzwerge. Die Familie Schöni trifft sich jährlich im Elternhaus im Emmental, um einem seltsamen Brauch zu huldigen: Sie sprengen Zwerge.
© Filmstills Filmcoopi Zürich
Nebst dieser exzentrischen Tradition sind Schönis vordergründig eine recht bürgerliche Familie. Thomas Schöni (Max Gertsch, BIld links), der Biedermann des Clans, führt mit seiner Frau Karoline (Cathrin Störmer) eine Landarztpraxis, sein Bruder Hannes (Michael Neuenschwander) ist das schwarze Schaf der Familie, ein Luftikus, der mit hohen Einsätzen spielt, im Geschäft wie in der Liebe. Je besser wir die Sippschaft kennenlernen, desto mehr Abgründe tun sich auf, und wir erfahren Sachen, über die Schönis lieber schweigen würden. Mit ZWERGE SPRENGEN zeigt Schertenleib den ganz normalen Wahnsinn des Familienlebens, mal lustig, mal traurig, aber nie klamaukig oder überdreht. Tolle Schauspieler, pointierte Dialoge und eine plausible Geschichte heben den Film weit über den Druchschnitt helvetischen Filmschaffens. Ausserdem machen die schönen Bilder aus dem Emmental Lust auf einen Ausflug - wenn dann wieder Frühling wird.