Ein Mann sitzt in einem schönen Haus in idyllischer Landschaft, draussen lauern Dutzende von Presseleuten mit Kameras, ein Helikopter fliegt über das Anwesen im Versuch, ein exklusives Bild zu schiessen.
Kommt Ihnen die Szenerie bekannt vor? Denken Sie jetzt an Polanski?? Dann liegen Sie gar nicht weit daneben. Nur gehts hier nicht um den Regisseur im Gstaader Hausarrest, sondern - endlich mal wieder - um sein Werk: "The Ghost Writer", der Film, dessen Endschnitt Roman Polanski im Knast machte, startet heute in unseren Kinos.
Der Ghostwirter ohne Namen (Ewan McGregor, gut wie immer) soll die Memoiren eines britischen Ex-Premiers (Pierce Brosnan) zu Ende schreiben und stösst dabei Altlasten von einiger Brisanz. Die Story um den jovialen Staatsmann stammt aus der Edelfeder von Polit-Autor Robert Harris, die Figur des Politiker ist gut kenntlich als der Ex-PM Tony Blair. Es ist aber weniger der Polit-Skandal, der Polanski interessiert, viel lieber stellt er den anonymen Schreiberling in den Mittelpunkt, eine harmlose Figur, die sich plötzlich inmitten eines Komplotts wiederfindet und nun um ihr Leben fürchten muss.
© Filmstills Pathefilms
Nobody does it better: Pierce Brosnan, der smarte Has been-Bond, spielt den Spitzenpolitiker mit dreckiger Vergangenheit als Mischung aus sexy Sympa, Gutmensch und Schweinehund. Erstaunlich gut auch Kim Cattrall (l.) als dessen Assistentin/Gespielin. Die kann ja wirlich mehr als die sexy Grossstadt-Zicke geben!
Die Story spielt weitgehend an der noblen Ostküste der USA, der Prominenten-Insel Martha's Vineyard. WIndige Landschaften und dräuende Gewitterstimmungen untermalen die Suspense-Schiene der Story aufs Feinste. Weil ja Polanski bekanntlich nicht in die USA einreisen kann, ohne verhaftet zu werden, wurde der Drehort kurzum nach Sylt verlegt. Auch wer den Thriller ("Ghost") von Robert Harris gelesen hat, kann getrost in die Verfilmung gehen - der Schluss ist anders als im Roman und sowieso einer der überraschendsten seit langem.